Freudenstadt
 

ist eine auf dem Reißbrett geplante Stadt, konzipiert als archetektonisches Abbild der hierarchischen Gesellschaftsstruktur des 17. Jahrhunderts. (1)

Herzog Friedrich I. von Württemberg (1557-1608) (2) war deren Gründer. 

Der Ort war gut gewählt. Friedrich kontrollierte damit den Schwabenweg,den Handelsweg zwischen Ulm und Straßburg. Der führte von Oppenau hinauf zum Kniebispass. 

Im nahe gelegenen Christophsthal (Freudenstädter Revier) wurden seit dem 13. Jahrhundert Silber-, Kupfer- und Eisenerze abgebaut.

 

Christophstaler Münze Von Stadtarchiv Freudenstadt Landesbildungsserver Baden Württemberg Gemeinfrei

Christophstaler Münze Von Stadtarchiv Freudenstadt - Landesbildungsserver Baden-Württemberg

Friedrichs Stadt war ein Refugium für die Protestanten, eine Antwort auf die Rekatholisierung  von 1597.

So entstand im nordöstlichen Schwarzwald auf einem strategisch günstig gelegenen Hochplateau eine befestigte Residenz. 

Freudenstadt Dreizeilenplan Von Heinrich Schickhardt Hauptstaatsarchiv Stuttgart N 220 B 2 1 Bl. Gemeinfrei R

Freudenstadt, Dreizeilenplan Von Heinrich Schickhardt - Hauptstaatsarchiv Stuttgart N 220 B 2, 1 Bl.

 

Sein Baumeister, Heinrich Schickhardt (3) entwarf Freudenstadt nach den Plänen von Dürers „Befestigungslehre“.Eine quadratische Anlage, je ein Turm in der Seitenmitte. Wie ein Schachbrett. Das Innere ist in neun gleiche Felder geteilt und das mittlere Feld bildet den Marktplatz. In einer Ecke sollte das Schloss liegen. Nicht akzeptabel für den Herzog. Er ist der Mittelpunkt, das Zentrum, also muss das geplante Schloss auch in der Mitte des Platzes liegen.

Am 22. März 1599 wurden im Beisein des Herzogs im förchtig wilden Walddie ersten Häuser und Straßen abgesteckt. 

Am 2. Mai legte seine Durchlaucht selbst den Grundstein für die Stadtkirche. 

Die Bergleute brachten eine Silber- und eine Kupferstufe (Leib und Blut Christi) in die Grundmauern der neuen Kirche ein.

Das Wasser bekam die Stadt damals von den Langenwaldquellen. Über einen fast 4km langen Teuchelweg (Wasserleitungsrohre: 4m lange Tannenstämme, in Längsrichtung durchbohrt) wurde das Wasser zum Marktplatzbrunnen geleitet. Jahrhunderte lang existierte diese Wasserleitung.

Wasserleitung Reichenbach 

Wasserleitung, Stadtmuseum Reichenbach

 

1608 stirbt Friedrich mit 51 Jahren, vier Jahre später ist die Innenstadt aufgebaut.

„Friedrichstadt“wurde bald „Freudenstadt“ genannt, die Stadt wuchs dank den protestantischen Glaubensflüchtlingen. 

Das Schloss jedoch wurde nie gebaut. Die Einwohner vermissten es nicht, hatten sie doch wenigstens auf dieser Freifläche Raum für den Anbau von Gemüse und Kartoffeln. Auch die Misthäufen hatten dort ihren Platz.

Dann kamen schlechte Zeiten für die Stadt. Hungersnöte und Krankheiten und 1632  ein Feuer, das große Teile der Stadt verwüstete. 1634 zerstörten die Österreicher das was übrig geblieben war und ein Jahr später entvölkerte die Pest die Stadt endgültig (3.000 Einwohner hatte die Stadt, 1636 nur noch 300).

1749 werden einzelne Teile des Markplatzes an Bürger verpachtet und als Nutzgärten angelegt.

 

Der Bergbau wird eingestellt. Die Heilquellen sprudeln.

Freudenstadt wandelte sich.

Im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich Freudenstadt zu einem bekannten und beliebten Kurort - auch durch die Eisenbahnanbindung (Gäubahn zwischen Eutingen und Freudenstadt). 

 

1899 feiert die Stadt ihr 300-jähriges Bestehen mit König Wilhelm II. und Königin Charlotte. 

 

Im 1. Weltkrieg war die Stadt ein großes Lazarett.

 

Von 1939 an wurde am Kniebis das Führerhauptquartier Tannenberg ausgebaut. 

Am Schliffkopf und der Hornisgrinde wurden Flak-Stellungen aufgebaut.

1940 „weihte“ Hitler Tannenberg ein und ließ sich nach dem Frankreich-Feldzug in Freudenstadt feiern. 

 

Am 16. April 1945 kurz vor Kriegsende kam der Krieg nach Freudenstadt. 

Der französische General Lattre de Tassigny war auf dem Weg nach Stuttgart.

Die Wehrmacht hatte die Brücken gesprengt. Stundenlang wurde die Innenstadt bombardiert, stundenlang beschossen. 

95% der Altstadt verbrannten. Viele starben, viele Frauen wurden vergewaltigt.

Als „Manoeuvre de Freudenstadt“ fanden die Ereignisse dieser Tage Eingang in die endlose Liste der Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs.

Drei Tage dauerte das Inferno. 

 Freudenstadt 1945 R

Freudenstadt, Stadthaus, Heimatmuseum 

 

Danach, zuerst ein mühsamer Anfang. 

1950 wurde Weihnachten in der Stadtkirche gefeiert.

Dann ein rascher Wiederaufbau, das „Wunder von Freudenstadt“. 

Und immer Streit um die weitere Nutzung des Marktplatzes, der der größte umbaute Marktplatz Deutschlands ist. 

Freudenstadt ist heute eine Stadt mit ca. 24.000 Einwohnern und durch ihre Lage hervorragend geeignet, um mit der Albtalbahn das Murgtal oder über die älteste Ferienstraße Deutschlands den Schwarzwald und den alten Schwabenweg zu erkunden.

Freudenstadt R

Monumente, Bettina Vaupel, Karlsruhe oder die Liebe zur Geometrie

 

Wir überqueren den Marktplatz und nähern uns der Evangelische Stadtkirche mit ihrem rechtwinkligen, nach NO ausgerichteten Grundriss (Uhrenturm im N).

Evangelische Stadtkirche 400

 

Die Winkelkirche in Freudenstadt wurde als solche konzipiert.

Im 19. Jh. saßen Männer und Frauen hier getrennt in den beiden Kirchenschiffen.

Weibergestühl und Männergestühl

Beeindruckend ist noch heute die zentrale Mitte, die durch die zwei sich überlagernden Rechtecke geschaffen wird.

Die Kirche besitzt einen Lesepult und einen Taufstein aus dem 12. Jahrhundert.

 

Lesepult 300 Taufstein 300

 

 

(1) Die Idee der „Idealstädte“ bekam mit Beginn der italienischen Renaissance neue Impulse. 

Das Ziel war eine klar strukturierte Stadt, die die kosmische und die weltliche Ordnung und Hierarchie darstellen und nach persönlicher Auslegung, die absolute Macht des Landesherrn repräsentieren sollte.

Karlsruhe (Fächerstadt) und Mannheim(Schachbrettstadt) sind weitere Beispiele dieses Architekturkonzepts.

 

 (2) Friedrich der I. von Württemberg nutzte intensiv die Bodenschätze (Silber, Kupfer und Eisenerze) seines Herzogtums. Er stellte Alchimisten ein, die die Lagerstätten untersuchten und analysierten. Bei Erfolglosigkeit wurden sie hingerichtet.

1604 richtete Friedrich I. im Christophstal eine Münzstätte ein und ließ den Christophstaler herstellen. So umging er die Stuttgarter Münzpräge.

 

(3) Heinrich Schickhardt von Herrenberg (geb.1558 in Herrenberg † 1635 in Stuttgart) war der bedeutendste Baumeister der Hochrenaissance in Deutschland.

Schickhardt baute Brücken (Köngen), Festungen, Schlösser, Kirchen, Städte.

Europ. kulturstrasse H.Schickhardt

Literatur:

Markus und Meinrad Bittmann, Das Murgtal, Kreisarchiv Rastatt

Bettina Vaupel, Karlsruhe oder die Liebe zur Geometrie, Monumente

Mannheimer Morgen, Konstantin Groß, 7. April 2018

Wikipedia

Brockhaus Konversationslexikon, 1902, Freudenstadt 

 

Bildnachweis:

Wikipedia Commons

Bettina Vaupel, Karlsruhe oder die Liebe zur Geometrie, Monumente 

WAW, eigenes Werk

Wikimedia commons

 

Museen:

  • Heimatmuseum im Stadthaus, mit sehr guten Sonderausstellungen
  • Besucherbergwerk Freudenstadt
Geschichte von Pforzheim
Stadt des Geistes (Humanismus), des Handels und des Goldes

Hexenverfolgung in Baden - Geschichte der Anna Weinhag

Anna war eine tapfere und mutige Bürgerin der Stadt Baden-Baden.

Am Neujahrstag des Jahres 1600 stapfte Anna im Schnee durch die Altstadt von Baden-Baden.
Anna war Gewürzkrämerin und auf dem Weg zu ihrem beliebten Laden.
Was das neue Jahr wohl bringen würde?

Anna machte sich keine Illusionen. Die Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten würde weitergehen, der Schrecken bleiben.
Anna schaute zum „Neuen Schloss“ hinauf. Dort hatte die Familie zusammen mit der protestantischen Gemeinde Weihnachten gefeiert, eine eigene Kirche hatten die „Lutheraner“ noch nicht.
Anna fror. Es war bitterkalt. Verwandte hatten ihr erzählt, dass der Bodensee wieder zugefroren sei.
Sie seufzte und ging weiter. Gott sei Dank wusste keiner was die Zukunft bringen würde, dachte sie.

Heute kennen wir Anna Weinhags Zukunft und ihren weiteren Lebensweg.

Sie sollte erleben, wie schon im Februar der ehemalige Dominikanermönch, Philosoph und Astronom  Giordano Bruno zum Tode verurteilt  wurde.

Der Familie ging es unter der Herrschaft des protestantischen Markgrafen Georg Friedrich (1) einigermaßen gut. Hans, Annas Mann, wurde Ratsherr.

Georg Friedrich von Baden-Durlach
via Wikipedia Commons

Die Stadt unterstützte ihren Markgrafen auch finanziell.
Bei dem Geschäftsmann und Vorsitzenden der Murgschiffer Jakob Kast lieh sich Georg Friedrich 27.000 Gulden für die die Stadt Baden-Baden bürgte. Die Stadt selbst gab ihm noch ein unverzinsliches Darlehen (1611). Auch mit diesem Geld rüstete der Markgraf seine Armee auf.

Katholische Liga gegen Protestantische Union – dieser Stellvertreterkrieg fand  hauptsächlich im Badischen Land sehr zum Nachteil der dortigen Bevölkerung statt.

In Wimpfen (1622) entschied sich auch Annas Schicksal, der Markgraf unterlag in der Schlacht und Wilhelm I. wurde sein Nachfolger.

Markgraf Wilhelm I.
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Der setzte eine brutale Rekatholisierung durch und holte die Jesuiten nach Baden-Baden. Fronapfel nach Ettlingen und Philipp Zinner nach Baden-Baden. Die Ordensregeln der Jesuiten schrieben für ein Kolleg mindestens 30 Mitglieder und ein Grundkapital von 60.000 Gulden vor. Das Jesuitenkolleg in Baden-Baden finanzierte sich durch dingliche Rechte (Berechtigung zum Einzug vom Zehnten, Grund- und Pachtzinsen) und vor allem durch Immobilienbesitz. Zwischen Ötigheim und Ottersweier besaßen sie bereits drei Mühlen, sowie Hof- und Weingüter auf ca. 250 Hektar. Mit dem Weinverkauf wurden satte Gewinne erzielt.  Ebenso mit der Hexenverfolgung. Jesuiten betreuten die Angeklagten seelsorgerisch, schrieben in Baden-Baden die Prozessprotokolle. Die Angehörigen der Opfer mussten die Prozesskosten bezahlen, viele wurden dadurch gezwungen ihren Grundbesitz an die Jesuiten zu veräußern.   

Noch nicht mal zwei Jahre im Amt und schon stellt Wilhelm seinen Bürgern von Baden-Baden ein Ultimatum. Katholisch sollen sie werden - oder bis Weihnachten die Stadt verlassen.

Anna war anderer Meinung, und mit der hielt sie nicht hinter den Berg. Sie schrieb an den Markgrafen und bat ihn diese Entscheidung zurückzunehmen.
Das war skandalös. Eine Frau, eine „Lutherische“ zudem, kritisiert öffentlich die Entscheidungen des Markgrafen.

Anna war ein Fall für den markgräflichen Rat Matern Eschbach.

Nur wenige Monate nach ihrem Brief wurde Anna als Hexe angeklagt.
Sie seye die gröste hur in Baden, undt darzue ein Hex
so Eschbach.

Eine Kronzeugin, Anna Geiger, ebenfalls als Hexe angeklagt, war schnell gefunden. Auf Hexentänzen habe sie die Weinhag gesehen.

Anna Weinhag wurde noch am selben Tag gefoltert. Vier Tage lang. Durch Aufziehen, durch Anhängen von Gewichtssteinen, durch Beinschrauben wurden ihre Glieder zerquetscht und ihre Gelenke verrenkt. Zwei Tage lang saß sie dann noch auf dem „Wachstuhl“, doch sie legte kein Geständnis ab und nannte keine Namen. Sie musste die Urfehde schwören (Stillschweigen und keine rechtlichen Schritte gegen die Richter, d.h. gegen Eschbach), dann kam sie nach Zahlung der Verfahrenskosten frei, unter Hausarrest.

Nur Monate später wurde sie erneut angeklagt. Diesmal wurde ihr auch Schadenszauber unterstellt.
Nach erneuter Folter und einem Tag Wachstuhl wurde sie in den Spitalturm und danach ins Gefängnis verlegt.

Ihr Mann Hans klagte gegen den Markgrafen vor dem höchsten Gericht des deutschen Reiches, der Reichskammer die, wegen Verfahrensmängel und der überaus harten Folter,  eine Haftaufhebung anordnete.
Anna wurde aus dem Gefängnis entlassen.

Wie Dagmar Kicherer schreibt, „war Anna Weinhag das einzige Opfer des Hexenwahns in der Markgrafschaft Baden-Baden, das zwei Prozesse überlebt hat. Und sie gehört zu den wenigen, die sich selbst unter unmenschlichen Qualen ihren Peinigern nicht gebeugt haben“.

Im Herbst nach ihrer Freilassung verlies Anna Weinhag Baden-Baden.

Ein Stich von Merian (1643) zeigt uns Baden-Baden zu Zeiten Annas

 via Wikipedia Commons

(1) In der „Oberbadischen Okkupation“ (1594) besetzten die Verwandten des Hauses Baden-Durlach die Markgrafschaft Baden-Baden ihres Vetters Eduard Fortunat, der die/seine Markgrafschaft Baden-Baden an die Fugger verkaufen wollte, Gold herzustellen versuchte, und auf der Yburg Falschmünzerei betrieb.
Die Baden-Durlacher beendeten damit auch die katholische Dominanz in der Markgrafschaft Baden-Baden.

 

Literatur:

  • Dagmar Kicherer, Kleine Geschichte der Stadt Baden-Baden, G.Braun Buchverlag, 2008
  • Gleichstellungsstelle der Stadt Baden-Baden, Zwischen Suppenküche und Allee, Corinna Schneider, Man thue ihr für gott undt aller welt Unrecht, 2012
  • Historisches Museum der Pfalz Speyer, Hexen Mythos und Wirklichkeit, 2009

 

Willi Andreas Weishaupt 2016
        © Baden-GEO-Touren
 

Das Floß der armen Leute - Gefährliche Rheinfahrt 1791

 

Obertsrot 1858 ADie Flößerei ist ein sehr altes Gewerbe. Über die frühen Zeiten besitzen wir kaum ins einzelne gehende Zeugnisse.

Wir wissen aber, daß schon im Mittelalter das Holz aus den großen Waldgebieten in den Rhein und den Strom hinab geflößt wurde. So kam das Schwarzwaldholz zum Beispiel die Kinzig oder die Murg herab in den Oberrhein oder mit Nagold und Enz in den Neckar. Main, Saar und Mosel, auch Lippe und Ruhr trugen Holz aus ihren Wäldern dem Rhein zu, der er (sic) bis zu seiner Mündung mitnahm.

 

 

 

 

An den Methoden der Flößerei hat sich von alters her bis zum Beginn unseres Jahrhunderts wenig geändert.

Dieselben Männer, die im Winter die Bäume auf den Höhen des Schwarzwaldes fällte, brachten sie auf Bächen und Flüssen zu Tal. Zunächst wurden sie mit Pferden oder Ochsen zum „Polterplatz“ geschleift, der neben der „Einbindestelle“ am Bach lag. Sie wurde auch „Wasserstube“ genannt; man muß sie sich wie eine kleine Talsperre vorstellen. In ihr wurden 8-12 gleichlange Stämme zu „Gestören“ eingebunden, das heißt mit Wieden (über feuer gedrillte Fichtenstämmchen) zusammengebunden. Ein solches Gestör war an die 20 Meter lang und 2-3 Meter breit.


Wenn nun die Stube sich mit Wasser füllte, wurden die Gestöre, die zunächst nebeneinander lagerten, der Länge nach aufgereiht und hintereinandergebunden. Je 15-20 Gestöre bildeten ein Langfloß, das 300-500 Meter lang war und bis zu 300 Festmeter Holz enthielt.

Solch ein Riesenwurm sollte nun auf dem kleinen Bach, den man zu Fuß überschreiten konnte, zu Tal geflößt werden?

Es klingt unglaublich, aber es war so. Das gestaute Wasser ließ für kurze Zeit das Bächlein zum reißenden Fluß werden.

Zunächst wurde ein Schwall „Vorwasser“ abgelassen, dem soviel Vorsprung gegeben wurde, daß das schneller eilende Floß es nicht einholen konnte. Dann wurde das Floß losgebunden und schoss davon. Mit erstaunlicher Schnelligkeit raste der Lindwurm dahin, durch Wälder und Schluchten, über Felsen und Wehre, bis ihn der ruhigere Lauf der Flüsse aufnahm.

Das war ein anderes Flößen als später auf dem Rhein! Von 5 oder 6 Flößern geleitet, wand sich das Langholzfloß durch die Biegungen des Bachlaufs. An Steuern war da nicht zu denken. Nur die Sperrbalken, 2 oder 3 in jedem Floß, boten die Möglichkeit einzugreifen. Der wichtigste war hinten im letzten Gestör eingelassen. Blieb nun das Floß an irgendeinem Hindernis hängen, mußte sofort hinten gesperrt werden, damit die Gestöre keinen Knick, keinen „Ellenbogen“ bildeten, „Jockele, sperr!“ erscholl dann der Ruf, der lange zeit auf dem oberen Neckar und seinen Nebenflüssen zu hören war.

Häufig mußte, um das Floß wieder flottzumachen, ein neuer Schwall Wasser aus den Stuben oder den eigens dazu angelegten „Schwellweihern“ losgeschickt werden. Das Flößen war eine oft lebensgefährliche Arbeit, die Erfahrung, Kraft und Geschicklichkeit erforderte. Dementsprechend waren auch Lohn und Verdienst des Flößers und sein Selbstbewußtsein.

Aber da waren noch andere Hemmnisse.

Überall gab es Aufenthalte und Kosten. Zwar waren hier und da bereits Floßgassen vorhanden, um Mühlenwehre oder Staustufen zu überwinden.

Oft genug aber mußten Entschädigungen an Mühlen und andere Einrichtungen gezahlt oder in Naturalabgaben entrichtet werde, weil das Floß den Betrieb behinderte. Vor allem aber gab es Zölle. Der Südwesten Deutschlands war ein Schaubild der Kleinstaaterei. Allein von Neuenbürg im nördlichen Schwarzwald bis nach Mannheim waren 14 Zollstationen zu passieren!

In Mannheim wurden dann die schmalen Langholzflöße – soweit das Holz nicht schon dort verkauft oder versteigert wurde – zu breiteren und mehrschichtigen Rheinflößen zusammengestellt. Meist waren es bereits die großen „Steifstücke“, aus denen dann in Mainz-Kastel, Koblenz-Neuendorf oder in Namedy unterhalb von Andernach die Holländerflöße entstanden.

Mit ihren Anhängen und Kniestücken, mit drei Lagen Holz übereinander bildeten diese die gewaltige Menge von 500 000 Kubikfuß (etwa 15 000 cbm) Holz. Hinzu kam noch die Oblast an Schnittholz und Brettern, oft auch andere Waren, etwa Sandsteinplatte vom Main oder Mühlsteine aus Andernach.

Ein solches Kapitalfloß stellte also einen beträchtlichen Wert dar, seine wochenlange Fahrt auf dem damals noch nicht regulierten Strom mit seinen Untiefen, Sandbänken, Strudeln und Felsenriffen bedeutete ein großes Risiko. Auch kam es vor, daß geringer Wasserstand, wandernde Bänke, Wracks oder Unwetter zu Unterbrechungen führten, die bisweilen Monate dauerten. Doch der große Holzbedarf in den waldarmen Niederlanden und in England, vor allem an Eichenholz für den Schiffs- und Hausbau, rechtfertigte den hohen Einsatz.



Aus: Günter Sachse, Das Floß der armen Leute - Gefährliche Rheinfahrt 1791, C.Bertesmann, 1992

 

Die Flößerei
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Das Floß, vom Alt- und Mittel Hochdeutschen vloz, von Fluss bzw. fließen, ist uralt.  

Im Alten Testament der Bibel wird über ein Floß aus Zedern und Tannen berichtet, das von Tyros nach Jerusalem gesteuert wurde, zu König Salomo, bestimmt zum Bau des ersten jüdischen Tempels in Jerusalem.
Schwimmendes Holz kann zu einer kleinen Arche Noah werden.

Ins Wasser gefallene Bäume, bieten Schutzräume für vielerlei Lebewesen.

Unter frei im Meer treibenden Bäumen, sammeln sich Fische, Garnelen und Plankton.

Zusammen mit Amphibien und kleinen Säugetieren an Bord, treiben diese kleinen Inseln durch die Flüsse und Meere, manchmal tausende von Kilometern weit.
Für die Menschen war Holz ein Brennstoff, aber auch ein Baumaterial.
In Deutschland stammen die ältesten Dokumente über die Flößerei aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Sicherlich ist die Flößerei aber viel älter.

Über die Isarflößerei berichtet ein Dokument von 1174 (Abgaben der Mittenwalder Flößer an das Kloster Schäftlarn).

1258 erwähnt ein Dokument die Flößerei auf der Saale.

 

Historisches Lexikon Bayerns

 

Bildergalerie
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 Flösserei

Murg, Museum Freudenstadt

 

Flösserei II

Murg, Museum Freudenstadt

 

Flößerei Füssen

Lech, Museum Füssen

 

Flößer aus dem Lechtale

Flößer aus dem Lechtala, Museum Füssen

  Lechflößerei

Lechflößerei, Museum Füssen
 
 

Floß Lech MF

Modell eines Baumfloßes, Museum Füssen

 

Leben im Mittelalter

Judentum am ...
Wehrhafte Bu...
Knud Seckel ...
Giganten der...

Modell der Barockresidenz Karlsruhe
Exponat im Badischen Landesmuseum

Clemens Pankert, genannt Perkeo

*1702 Salurn/Tirol, †1735, Knopfmacher, war Hofzwerg des Kurfürsten Karl III. Philipp von der Pfalz
Karl Philipp, kaiserlicher Statthalter der ober- und vorderösterreichischen Lande in Innsbruck, brachte Clemens Pankert an den Heidelberger Hof. Dort war der trinkfeste Hofzwerg der Hüter des großen Weinfasses im Schloss.
Perkeo war „an Wuchse klein und winzig, an Durste riesengroß“ (Heinrich Merkel).

 

Johann Georg Dathan (1703-1748) - Hofnarr Clemens Perkeo vor dem Schwetzinger Schloss, um 1725
via Wikipedia Commons

 

Das Große Heidelberger Fass
via Wikipedia Commons

 

Perkeo und der Heidelberger Brückenaffe
via Wikipedia Commons
Im Fluss der Geschichte - Der Rhein
 
 
 Arnold Forstmann: Nonnenwerth, Rolandseck und Drachenfels
via Wikipedia Commons
 

Der Rhein ist ein alter Fluss. Über die Jahrtausende hat er seinen Namen behalten, was auch bei Flüssen selten ist. 

Und über viele Millionen von Jahren ist er groß geworden. 

Vor 50 Mio. Jahren:                                                                                                                

Der älteste der Rheinbrüder ist der Ur-Alpenrhein. Er entwässerte den nordöstlichen Ur-Alpenraum und mündete in die Ur-Donau. 

Durch den Druck der Alpen zog sich im Alpennordland das Meer immer weiter zurück.

Vor 40 Mio. Jahren:                                                                                                                

Der mittlere Rheinbruder, der Ur-Oberrhein entstand. Er entsprang bei Straßburg und mündete bei Mainz ins Meer. 

Die Alpen wuchsen. Das Land hob und senkte sich.

Vor 30 Mio. Jahren:                                                                                                                

Der jüngste Rheinbruder, der Ur-Mittelrhein entsteht. Er wurde bei Koblenz geboren und mündete bei Bonn in die Ur-Nordsee. 

Vor 25 Millionen Jahren existierten also drei Vorläufer des heutigen Rheins, die jedoch nicht miteinander verbunden waren.

Vor 15 Mio. Jahren floss der Oberrhein in den Mittelrhein. Dieser Rhein war 500 km lang und bestand über Jahrmillionen. 

 

Eine Million Jahre vor unserer Zeit war es dann soweit. Die Gletscher der letzten Eiszeit schmolzen weiter und als sich der Rheingraben immer weiter senkte, fand der Ur-Alpenrhein als einziger Alpenfluss seinen Weg nach Norden, zum tiefergelegenen Oberrhein.

Dann wurde es wieder kälter. Vor 160.000 Jahren lenkten die skandinavischen Gletscher den Rhein nach Westen um.

Seit 30.000 Jahren besteht das heutige Mündungsgebiet.

 

Man stelle sich vor, der Rhein hätte einen anderen Weg gefunden.

Städte wie Basel, Worms oder Köln lägen, wenn sie denn überhaupt gegründet worden wären, nicht an einem sie verbindenden Fluss, sondern am Rande einer gewaltigen Schlucht ähnlich (wenn auch kleiner) dem heutigen Grand Canyon oder dem afrikanischen Rift Valley.

Aber so kam es nicht. Der Rhein floss gen Norden.

Die Lachse zogen rheinaufwärts.

Für unsere Vorfahren war der Rhein eine wichtige Handelsroute.

Schon vor vielen Jahrtausenden wurden Waren wie Bernstein, von der Nord- und Ostseeküste über Rhein und Rhône, Mittelmeer und Nil nach Afrika und bis nach Asien exportiert.

 

Wie sah er aus, der Vater Rhein?

 

 

Johann Ludwig Bleuler: Zusammenfluss von Rhein und Ill,
von Nordosten (bei Meiningen, Vorarlberg; gegenüberliegende Rheinseite: Oberriet, Kanton St. Gallen); Aquatinta, koloriert
via Wikipedia Commons

Der Alpenrhein war wild und nur sehr eingeschränkt schiffbar. Der Rheinfall war und ist noch heute noch eine unüberwindbare Barriere für den Schiffsverkehr.

Der Oberrhein war ein kilometerbreiter Strom, mit aufgespülten Sandinseln, Treibsand, breite flache, sumpfige, tote Arme. Jedes Frühjahr (nach der Schneeschmelze in den Alpen) trat er über seine vielen Ufer (es gab nicht nur einen, sondern drei Fluss-Arme, die sich veränderten, mäanderten) und überflutete riesige Flächen.

Am Oberrhein umspülte der Fluss mehrere tausend Inseln.

Der Mittelrhein (von Bingen bis Bonn) war der Schrecken der Flößer und Schiffer.

Nicht nur eine schöne Frau verhexte dort die Männer, starke Strömungen und gewaltige Strudel, verursacht durch Felsen im Fluss, machten die Durchfahrt zum gefährlichen Abenteuer.

Das Binger Loch verhinderte die durchgehende Befahrung des Rheins.

Ab Köln war das Flussbett breit und tief und Seeschiffbar.

Der Rhein war immer ein verbindender Fluss.

 

Nikolai von Astudin: Blick auf Köln
via Wikipedia Commons

Ein Grenzfluss wurde er in römischer Zeit.

Auf Galeeren und Flößen brachten die Römer ihre Soldaten in Stellung.

Innerhalb von 10 Tagen errichteten sie eine 400 m lange Holzbrücke über den Rhein (zwischen Andernach und Koblenz) um einen Rachefeldzug gegen die Germanen zu führen. Nach dem erfolgreichen Rückzug der römischen Legionen wurde die Brücke wieder abgebaut.

Der Rhein floss nun durch römische Provinzen und beförderte die Güter, die den Reichtum von Rom begründeten.

Hierzu wurden Städte gegründet, Straßen und Häfen gebaut, Flussmündungen befestigt.

Straßburg, Seltz, Worms, Mainz, Bingen, Koblenz, Remagen, Bonn, Köln, Neuss, Xanten, Kleve, fast alle linksrheinischen Städte haben römische Wurzeln.

Ein buntes Völkchen bewohnte die Städte.

Dann zogen die römischen Garnisonstruppen ab und neue Herren kamen.

 

Johann Adolf-Lasinsky: Koblenz-Ehrenbreitstein, 1828
via Wikipedia Commons

 

So auch in Worms. 413 ließen sich die Burgunder dort nieder.

Sie kamen von der Ostsee und wurden von den Römern in Worms angesiedelt um dort deren Grenzen zu sichern. Ihnen aber lag mehr daran die römische Oberherrschaft abzuschütteln, was ihnen jedoch nicht gelang. Erst wurden sie von den Römern geschlagen (435) und ein Jahr später von den in die Rheinebene einbrechenden Hunnen fast vernichtet.

Dieses Trauma floss in den Erzählungen ihrer und anderer Nachfahren ein.

Ein anonymer Autor (1) hat in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts diese damals sehr beliebten Heldensagen zusammengefasst.

Heute kennt man sie unter dem Namen „Nibelungenlied“.

 

 

Siegfrieds Tod
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Und folgt man diesen Gesängen und Versen, hat der Rhein bei Worms den „Nibelungenhort“, seinen gewaltigen Goldschatz bis in die heutige Zeit sicher verwahrt. Noch heute findet man Gold im Rhein.

An einem Frühlingstag im Jahr 723 verlässt ein 50-jähriger Engländer die Stadt Mainz.

Seit kurzem ist er Bischof und seitdem rastlos unterwegs. Er ist nicht allein, sondern fränkische Soldaten, Handwerker und Zimmerleute, Schmiede und Steinmetze begleiten ihn.

Die Expedition hat das Ziel Stützpunkte des Glaubens zu errichten und das Christentum von den heidnischen Irrlehren zu „reinigen.“

Der Engländer, der später unter seinem vom Papst ausgewählten Namen Bonifatius heilig gesprochen wurde, erreichte die Büraburg (beim heutigen Fritzlar), ein fränkisches Bollwerk, ein Außenposten. Dorthin konnte er sich zurückziehen, falls sein angekündigter Coup, die seit Urzeiten dem Gott Thor geweihte Eiche zu fällen, misslingen würde.

 

Wirken und Martyrium des Bonifatius
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Bonifatius fällte den Lebensbaum und hatte, da die göttliche und damit auch die menschliche Vergeltung auf diesen Frevel ausblieb, die Zweifler von der Macht des Christentums überzeugt und zudem Bauholz für eine Kapelle.

Bonifatius war ein ausgezeichneter Organisator. Er ordnete die Bistümer neu und so gab es lange vor einem politischen bereits ein kirchliches Deutschland mit der Hauptstadt Mainz am Rhein.

Die damaligen Bischöfe der Kirchenprovinzen waren „Kämpfer Gottes“.

Zwischen 886 und 901 kamen zehn Bischöfe im Kampf gegen die Normannen auf den Schlachtfeldern ums Leben.

Aber nicht nur die Bischöfe waren Wegbereiter der Missionierung.

Das waren auch die damaligen Klöster: Lorsch, Weißenburg, Fritzlar, Fulda und viele andere mehr.

Historisch sind wir in der mittelalterlichen Warmzeit. Auf Grönland wurde Wein angebaut, das Polarmeer war in beide Richtungen schiffbar.

Im dichten Morgennebel fuhren Piratenschiffe rheinaufwärts.

Die Drachenboote der Wikinger erreichten Köln.

Die Wikinger kannten sich aus. Sie waren nicht zum ersten Mal hier.

Schon lange betrieben sie mit ihren einzigartigen Schiffen Handel - auch auf dem Rhein.

 

via Wikipedia Commons

 

Auch jetzt wurde „verhandelt“. Die Städte am Rhein (Dorestad, Xanten, Duisburg, Köln, Bonn, Andernach und andere) mussten entweder Schutzgeld bezahlen oder wurden kurzerhand geplündert und niedergebrannt. Kirchen, Klöster und reiche Höfe waren davon nicht ausgenommen.

Am 1. Mai 1006 erleuchtete plötzlich ein grelles Licht das südliche Firmament. Die heute als SN 1006 bezeichnete Supernova war wahrscheinlich das hellste Gestirn, das jemals den Himmel erleuchtete (2).

Am den Ufern des Rheins begann ein Bauboom.

Romanische Basiliken wie der Mainzer Dom oder St. Pantaleon in Köln entstanden.

In St. Pantaleon liegt Theophanu, die erste Kaiserin des ostfränkisch-deutschen Reiches begraben. Sie selbst hätte dieser Wortwahl widersprochen, sie war der Kaiser.

 

Köln im Jahr 1499
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Köln war im Mittelalter die größte und reichste Stadt Deutschlands. Ihre Kaufleute handelten mit Venedig, Flandern, England. Viele englische Kaufleute lebten in Köln, englische Münzen waren ein gültiges Zahlungsmittel.

Im 12. Jahrhundert verlieh der englische König Heinrich II. den Kölner Kaufleuten guildhall die Gildehalle in London.

Sein Sohn Richard Löwenherz, der auf seinem Heimweg vom Kreuzzug in Gefangenschaft geriet wurde mit dem Geld der Kölner Kaufmannsleute freigekauft. Als Dank verlieh Richard ihnen üppige Privilegien, wie sie keine andere deutsche Stadt damals innehatte.

Dies interessierte die Lübecker und darauf bauten auch die Privilegien der Ostseestädte des 13. Jahrhunderts, aus denen sich die Gemeinschaft der niederdeutschen Kaufleute, die hansa Alemanie, entwickeln sollte (3).

Die Hanse entstand nicht (nur) in Lübeck, sie hat ihre Wurzeln auch am Rhein und natürlich im Ausland.

 

Die rheinischen Städte existierten nicht nur innerhalb von Staaten, manche waren Staaten.

Dieses Streben nach eigner Stärke und der Suche nach Bündnispartnern führte im Jahr 1254 zum ersten Rheinischen Städtebund.

Fast 60 Rheinstädte schlossen sich zusammen. Die Handelswege sollten durch eine eigene Flotte geschützt und die Zollstationen (es gab über dreißig) reduziert werden. Und obwohl auch einige Landesfürsten diese Forderungen der Städte unterstützen, war man nicht einig und mächtig genug, dies durchzusetzen und so zerfiel dieses Bündnis innerhalb kurzer Zeit.

Der Winter 1341/42 war lang und kalt. Es schneite fast jeden Tag. 

Im Februar folgte eine kurze Tauphase, die zu ersten Überschwemmungen führte. Bis in den April hinein war es frostig kalt und der Schnee schmolz nicht. 

Im Mai regnete es tagelang. 

Der Sommer war kurz, heiß und trocken. Es fiel kein Tropfen Regen. Der Boden wurde hart wie Beton.

Im Juli 1342 zog ein riesiges Tiefdruckgebiet von Italien nordostwärts, diese Konstellation wird heute als Vb-Wetterlage bezeichnet. 

Damit begann eine der größten Naturkatastrophen der letzten 2.000 Jahre.

Ab dem 18. Juli regnete es im gesamten Rheingebiet vier Tage und Nächte  lang.

In manchen Gebieten fielen bis zu 200 l/qm Regen. 

Am Oberrhein führten die Wassermassen, gespeist durch Aare, Neckar, Main und Mosel, zu einem gigantischen Wasserstrom, der alles mit sich riss und das gesamte enge Mittelrheintal überflutete.

In Köln stieg der Wasserspiegel um 11m. 

Im Mainzer Dom stand „ einem Mann das Wasser bis zum Gürtel“.

Mauern, Brücken, Häuser – alles zerstört. 

Die Wassermassen trugen 13 Milliarden Tonnen Ackerboden ab. Der fruchtbare Löß wurde in den Rhein gespült und vernichtete große Teile der Landwirtschaft. 

Die ohnehin geringen Baumbestände des 14. Jahrhunderts wurden weiter dezimiert, so dass es fast keine Wälder mehr gab.

Zehntausende von Menschen starben durch die Magdalenenflut.

 

Aber der Geist der Stadtluft, die Luft die frei macht, verbreitete sich vom Niederrhein bis nach Lothringen.

Die freien Städte wurden immer reicher und mächtiger. Doch sie waren nur Inseln im Fluss.

Links und rechts des Rheins galt ein anderes Recht, nämlich das der herrschenden Fürsten.

Hier die reichen Städte, mit ihren Bürger- und Zunftrechten, aber nicht Willens politisch über die städtischen Grenzmauern hinaus zu blicken.

Keine rheinische Stadt, außer Basel, liegt auf beiden Seiten des Flusses.

Dort die Fürstentümer, untereinander vernetzt oder verfeindet, manche geführt von Egomanen, alle fürchterlich wichtig. Viele lebten gut, besonders von ihren Untertanen.

 

Aber die taten sich zusammen.

1525 wurde in Memmingen die erste europäische Menschenrechts-Deklaration „die Zwölf Artikel“ verfasst und gedruckt und am Rhein wurden von der Gemeinschaft geplante Deiche gebaut.

Neue Ideen setzen sich schnell durch. Nach Gutenberg gab es kein Halten mehr.

Im 16. Jahrhundert wurden in Europa über 200 Millionen Bücher gedruckt.

 

Was das mit dem Rhein zu tun hat?

 

Um 1500 gab es in Haguenau über 30 Druckereien.

Thomas Anshelm von Badensis (Baden-Baden) druckte in Tübingen, Haguenau und Pforzheim die Werke Reuchlins und damit auch die ersten hebräische Texte in Deutschland.

Die Hälfte aller Schriften Luthers wurde in Straßburg gedruckt.

Und der Rhein verbreitete sie.

1540 war der extremste Sommer des vorigen Jahrtausends.

Elf Monate regnete es praktisch nicht.

Die Temperatur lag fünf bis sieben Grad über den heutigen Normalwerten, verbreitet wurden im Sommer 40 Grad erreicht.

In Spanien wurden bereits im Oktober 1539 Bittgottesdienste für Regen abgehalten.

In Norditalien fiel von Oktober 1539 bis März 1540 kein Tropfen Regen.

In der Schweiz (Zürich) von Februar bis September 1540.

Schon im Frühjahr fehlte das Wasser.

Der Rhein, die Elbe oder die Seine konnten zu Fuß durchwatet werden.

Lindau am Bodensee war mit dem Festland verbunden.

 

Als 1581 die Republik der sieben Vereinigten Provinzen (die heutigen Niederlande) ihre Unabhängigkeit proklamierte, kam es zu einem Einschnitt.

Mitten durch den Rhein ging nun die Grenze zwischen den calvinistischen Niederlande und dem katholischen späteren Belgien.

Damit wurde der Rhein endgültig zum Grenzfluss und die erste Rhein-Achse entstand.

 

Unser Lachs kannte keine Achsen, geomagnetische vielleicht. Er schwamm, wie seit Jahrtausenden, den Rhein und seine Nebenflüsse hinauf.

Im Rhein und seinen Zuflüssen existierte die größte Lachspopulation des Atlantischen Ozeans.

 

„... Die grösten Salmen bey unß, kommen biß uff ein halben Centner schwer“, berichtet uns ein Straßburger Fischer (1647).

 

Während dessen reihte sich Krieg an Krieg. Der achtzigjährige Krieg, der den Niederlande die Freiheit brachte, der dreißigjährige Krieg (mit dem Seekrieg auf dem Bodensee), in dem die Bevölkerung, vor allem die Süddeutschlands, magdeburgisiert wurde, der neunjährige Krieg - der Rhein sah unendliches Leid und trug viele in ihr kaltes, feuchtes Grab.

 

Auch am Rhein wurde es immer feuchter und kälter.

In manchen Jahren regnete es sintflutartig. Der Rhein überschwemmte Städte und Felder. Es gab keine Ernten. Hunger herrschte.

Die Winter waren lang und kalt, und der Rhein fror für viele Monate zu.

 

Kleine-Eiszeit
Bernhard Gottfried Manskirch (1736-1817), Volksfest auf dem zugefrorenen Rhein 1767,
Mittelrhein-Museum Koblenz
via Wikipedia Commons

 

Im Winter 1783 war es ab Dezember in ganz Europa außergewöhnlich kalt. Dann schneite es im Rheingebiet bis Ende Februar fast jeden Tag. Ein Wärmeeinbruch brachte das Eis und den Schnee zum Schmelzen und es regnete und regnete.

Die Eisflut brach los. Riesige Eisschollen und entfesselte Wassermassen zerstörten Brücken, Häuser, ja ganze Dörfer mit all ihren Menschen fielen dem Rhein zum Opfer.

Die „kleine Eiszeit“ ließ die Bevölkerung hungern und sterben.

Adel und Klerus waren von direkten Steuern ausgenommen, erhoben ihrerseits weitere Abgaben auf Besitzveränderungen oder Erbschaften, forderten erweiterte Jagdrechte, und da sind wir wieder beim Lachs, der erst spät ein „Arme Leute Essen“ wurde.

 

 

Lachs800

Ein Lachs, Heinrich Lihl, Werkstatt um 1750,
bez. „disen Lachs haben Ihro durchl. Herr Margraff von Baden-Baden in dem Mürgener laxfang gestochen..“, Dauerleihgabe der Sparkasse Rastatt-Durlach, Stadtarchiv Rastatt
 

„Dem gemeinen Volk“ war es lange Zeit verboten Lachse für den Eigenbedarf zu fischen (4). 

Die Franzosen nahmen die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (und ihre leeren Mägen) zum Anlass und revoltierten. Andere versuchten, den nächsten Tag zu überleben.

Wieder andere zogen mit ihren Armeen über den Rhein, Blücher am 1. Januar bei Kaub.

 

Blücher

Wilhelm Camphausen (1818-185), Blüchers Rheinübergang bei Kaub im Januar 1814,
Mittelrhein-Museum Koblenz
via Wikipedia Commons

 

Hier erreichte angeblich vor vielen Jahrhunderten der Mainzer Bischof Theonest das rettende Ufer nachdem ihn die Germanen in ein marodes Fass gesteckt und in den Rhein geworfen hatten. Dieser Bischof soll den Einwohnern den Weinbau gelehrt haben.

Blücher mochte Wein. In Paris gab es Rheinwein für die Sieger.

Mit der Industrialisierung Europas im 19. Jahrhundert ging es dem Rhein an den Kragen.

Ein Vertrag zwischen Baden und Frankreich ermöglichte 1842 den Beginn der großen Rheinbegradigung, die Johann Tulla bereits vor 20 Jahre vorgeschlagen hatte. (6)

Auch die Felssprengungen am Binger Loch (ab 1850) erleichterten die Arbeit der Flößer und begünstigte die Schifffahrt. Nun war der Rhein von Basel bis Rotterdam schiffbar.

Rotterdam ruht auch auf den mächtigen Baumstämmen des Schwarzwalds.

Die „Holländer-Flöße“ boomten und 1856 verkaufte die „Rheinische Dampfschiffahrts-Gesellschaft“ bereits über eine Million Fahrscheine für eine Fahrt auf dem Rhein. Von 1860 bis 1960 kamen 2 Milliarden Besucher ins Mittelrheintal.

 

Dann war da noch ein Poet, Weltbürger und Revolutionär. Der überquerte 1848 bei Straßburg den Rhein, zusammen mit einem bunten Haufen, bestehend aus ca. 700 deutschen Handwerkern aus Paris, und um die 200 Franzosen waren auch dabei. Sie alle wollten der deutschen Revolution zum Sieg verhelfen. Einige Jahre zuvor hatte der von H. Heine als „eiserne Lerche“ bezeichnete Poet den Rhein „besungen.“ (7)

Heine selbst verfasste seine berühmten Verse über die „Lore-Ley“, die 100 Jahre später L. Feuchtwanger neu interpretierte. (8)

 

Loreley800

Louis Bleuler, Blick auf die Loreley und auf den Lachsfang
via Wikipedia Commons
 
 

"Berufsfischerei am Rhein war früher eine Goldgrube. Jahrhundertelang war der Strom Deutschlands fischreichstes Gewässer. 

In den Lokalen längs des Flusses galt der Rheinsalm als Spezialität. Rheinaale waren kostbare Leckerbissen. Eine alte rheinische Gesindeordnung verbot im 19. Jahrhundert, daß den Hausangestellten öfter als dreimal in der Woche Lachs zugemutet werden durfte. 1885 zählten die Fischer 130 000 gefangene Lachse, 1900 waren es nur noch 60 000, 1930 mußten sich die Fischer bereits einen Ertrag von 10 000 Lachsen teilen, 1950 zogen sie nur noch 3000 Lachse an Land. Heute existiert die Lachsfischerei nicht mehr. Auch die übrigen Rheinfische verschwanden rapide: 1950 gingen noch 4316 Kilogramm Salme ins Netz; drei Jahre später nur noch dreißig Kilogramm. 

Der letzte Stör wurde im Sommer 1931 gefangen. Die Fischbrut geht an der Uferböschung durch Ölrückstände zugrunde".

s. Sepp Binder, DIE ZEIT, Nr.37/1971

 

Der Rhein als deutsches Gut wurde im neuen Kaiserreich immer aggressiver thematisiert.

Die (in)offizielle Nationalhymne der Deutschen war „Die Wacht am Rhein“,

mit den Zeilen: „...Reich, wie an Wasser..., ist Deutschland ja an Heldenblut!“

Wer kein Held sein wollte, war einsam. Auch Jahrzehnte später.

 

Lorenz Clasen 1860 - Germania auf der Wacht am Rhein
via Wikipedia Commons

 

1932 veröffentlichte Erich Kästner seinen „Handstand auf der Loreley“. (9)

 

13 Jahre später war es vorbei mit den Helden. Der Rhein floss durch zerbombte Städte und verwüstete Landschaften. 

Millionen deutscher Kriegsgefangene wurden nach Kriegsende in den „Rheinwiesenlagern“ interniert. 

 

Damals war das Wasser noch so klar, dass man auf den Grund des Rheins schauen konnte.

Dann kam das Wirtschaftswunder. 

Der Rhein war nur noch Transportweg und Abwasserkanal.

1967 wurde in der französichen Gemeinde Rhinau (Höhe Kappeln-Grafenhausen auf deutscher Seite) der letzte Lachs aus dem Rhein gefischt.

Am 19. Juni 1969 wurde der Rhein silbern. 

Die heißen Sommertage hatten den Rhein schon fast in die Knie gezwungen, da der Sauerstoffgehalt unter 2mg / l (bei 1,5 mg/l ist der Fluß "biologisch tot") lag.

Dazu kam eine unbekannte Menge des Pflanzenschutzmittels "Thiodan" (Handelsnahme, ist Endosulfan) die am 19. Juni in den Rhein gelangte. Verursacher war entweder der Produzent Hoechst AG am Untermain, oder ein Lastschiff hatte einige Fässer des Giftes bei Bingen verloren.

"Von oben sah der Rhein silbern aus, so viele Fischkadaver trieben auf dem Wasser". Die Ratten flüchteten aus dem Rhein. Über 100 km rheinabwärts erstreckte sich der Leichenzug. Bis heute ist der Verursacher dieses Unglücks nicht benannt.

In den 1970er Jahren war der Rhein eine Kloake. Ausbaden mussten das vor allem die Niederländer, die die Rheinstaaten zum Handeln zwangen. Klärwerke wurden gebaut, Einleitungen der Industrie reduziert, Meldesysteme etabliert.

Am 1. November 1986 wurde der Rhein rot.

In dem Baseler Industriegebiet Schweizerhalle geriet eine Lagerhalle der Fa. Sandoz in Brand.

In der Halle lagerten 1.350 Tonnen Pestizide, Insektizide (darunter 1,9 Tonnen Endosulfan), Herbizide (Atrazin) und diverse Lösungsmittel.

Alle Chemikalien dieser Lagerhalle verbrannten, sickerten in den Boden, oder floßen mit dem Löschwasser (min. 30 Tonnen) in den Rhein. 

Erst am 3. November informierte Sandoz die Wasserwerke rheinabwärts.

Auf mehr als 400 km, bis nach Bingen, starb alles; Fisch und Krebs, Aal und Muschel.

Trotz seiner schnellen Fließgeschwindigkeit erholte sich der Rhein nur langsam.

Ausgesetzte Lachse kommen heute bis zur Sieg und finden dort vielleicht in Zukunft einen Laichplatz, aber bis Basel hat es noch keiner geschafft.

2015 wurden 228 aufsteigende Lachse am Fischpass Iffezheim gezählt.

Seit zwei Generationen hat der Rhein keinen Krieg mehr gesehen. 

Man hat ihn ausgezeichnet und in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Ein Wassertropfen braucht etwa einen Monat von der Quelle bis zur Mündung. 

Dabei setzt man im Bodensee eine mittlere Fließgeschwindigkeit des Rheins voraus. 

Es soll ja Wassertropfen geben, die jahrelang im Bodensee verbleiben.

Anmerkungen

 

 

(1)       Heutzutage wird Bligger II. von (Nekkar-) Steinach, der um 1200 am Hof der Wormser Bischöfe lebte und arbeitete als Verfasser des Liedes angesehen.

 

(2)       Außer der Sonne natürlich. Die Supernova war jedoch so hell, dass man sie monatelang auch bei Tag sehen konnte und jahrelang mit bloßem Auge des Nachts.

 

(3)       Gisela Graichen, Rolf Hammel-Kiesow, Die deutsche Hanse, rowohlt, 2011

 

(4)       Die ländliche Bevölkerung war ohne Rechte, sie waren Sklaven der Großgrundbesitzer.

Ihre winzigen „eigenen“ Parzellen mussten intensiv genutzt werden, so z.B. in Irland mit Kartoffeln. Als dort 1845 ein Pilz die gesamte Kartoffelernte vernichtete, hatten die Iren nichts mehr zu essen, da alle Felderzeugnisse nach England verschifft wurden. Als die Iren verhungerten, verließen jeden Tag Schiffe beladen mit Weizen, Gerste, Gemüse, usw. die Häfen von Irland.

                
 

(5)       Vor 200 Jahren (1815) brach in Indonesien der Vulkan Tambora aus, die heftigste Vulkaneruption seit 25.000 Jahren (VEI: 7). Der Himmel verdunkelte und färbte sich. Das „Jahr ohne Sommer“ begann. Viele Jahre gab es keinen Sommer. In den Mittelgebirgen von Europa und in weiten Teilen Amerikas schmolz der Schnee übers Jahr nicht mehr; es schneite im Sommer. Im Sommer froren die Brunnen zu. Vielerorts gab es keine Ernten. Globale Windsysteme veränderten sich. Die Cholera kam nach Europa.

 

(6)       1825 veröffentlichte Johann Tulla sein Buch „Über die Rektifikation des Rheins von seinem Austritt aus der Schweiz bis zu seinem Eintritt in das Großherzogtum Hessen.“ Auf 88 Seiten beschreibt er die Ist-Situation am Rheingraben, schlägt, belegt durch Messungen, die Begradigung des Rheins vor und liefert eine Kosten-/Nutzen- Rechnung, die zeigt, dass das gesamte Wasservolumen nur bewältigt werden kann, wenn der Rhein sein Flussbett tiefer gräbt. Höhere Deiche bedeuteten höhere Kosten.

 

1876 waren die Bauarbeiten am Rhein beendet. Korrektionsdämme links und rechts begrenzten den Kanal, Hochwasserdämme im Hinterland sollten die Überschwemmungen stoppen. Der Rhein wurde kürzer, die Fließgeschwindigkeit nahm zu und der Rhein grub sich (bis zu 10m) in die Tiefe. Der Wasserspiegel sank, Felsen tauchten im Rhein auf, Felder vertrockneten, auch weil der Rhein nicht mehr über seine Ufer treten konnte.

Die „Korrektur“ des Rheins dauert bis heute an.

 

(7)       Rheinweinlied

Wo solch ein Feuer noch gedeiht,

Und solch ein Wein noch Flammen speit,

Da lassen wir in Ewigkeit

Uns nimmermehr vertreiben.

Stoßt an! Stoßt an! Der Rhein,

Und wär’s nur um den Wein,

Der Rhein soll deutsch verbleiben.

........

Der ist sein Rebenblut nicht wert,

das deutsche Weib, den deutschen Herd,

Der nicht auch freudig schwingt sein Schwert,

Die Feinde aufzureiben.

Frisch in die Schlacht hinein!

Hinein für unsern Rhein!

Der Rhein soll deutsch verbleiben.

 Georg Herwegh

 

 

(8)      „Als ich den Rhein hinauffuhr, inmitten von Hochzeitspärchen,
sangen die zumeist aus Deutschland stammenden Leute,
sie seien traurig infolge alter Märchen,
und sie wüßten nicht, was das bedeute.

Wenn mein Sohn dergleichen Unsinn äußerte,
noch dazu singend,
würde ich sofort einen Arzt konsultieren.“

 

 Lion Feuchtwanger, Rheinfahrt

 

(9)       Der Handstand auf der Loreley (1932)

(Nach einer wahren Begebenheit)

 

Die Loreley, bekannt als Fee und Felsen,

ist jener Fleck am Rhein, nicht weit von Bingen,

wo früher Schiffer mit verdrehten Hälsen,

von blonden Haaren schwärmend, untergingen.

Wir wandeln uns. Die Schiffer inbegriffen.                

Der Rhein ist reguliert und eingedämmt.

Die Zeit vergeht. Man stirbt nicht mehr beim Schiffen,

bloß weil ein blondes Weib sich dauernd kämmt.

Nichtsdestotrotz geschieht auch heutzutage

Noch manches, was der Steinzeit ähnlich sieht.          

So alt ist keine deutsche Heldensage,

Daß sie nicht doch noch Helden nach sich zieht.

Erst neulich machte auf der Loreley

Hoch überm Rhein ein Turner einen Handstand!

Von allen Dampfern tönte Angstgeschrei,                  

als er kopfüber oben auf der Wand stand.

Er stand, als ob er auf dem Barren stünde.

Mit hohlem Kreuz. Und lustbetonten Zügen.

Man frage nicht: Was hatte er für Gründe?

Er war ein Held. Das dürfte wohl genügen.                  

Er stand, verkehrt, im Abendsonnenscheine.

Da trübte Wehmut seinen Turnerblick.

Er dachte an die Loreley von Heine.

Und stürzte ab. Und brach sich das Genick.

Er starb als Held. Man muß ihn nicht beweinen.          

Sein Handstand war vom Schicksal überstrahlt.

Ein Augenblick mit zwei gehobnen Beinen

Ist nicht zu teuer mit dem Tod bezahlt!

P.S. Eins wäre allerdings noch nachzutragen:

Der Turner hinterließ uns Frau und Kind.                    

Hinwiederum, man soll sie nicht beklagen.

Weil im Bezirk der Helden und der Sagen

die Überlebenden nicht wichtig sind.

 

Erich Kästner

 

Parodie, Kästner folgt der Melodie des SA-Lieds „Die Fahne hoch! Die Reihen fest geschlossen!“

 

Literatur: 

 

Bildnachweis:

  • Bernhard Gottfried Manskirch (1736-1817), Volksfest auf dem zugefrorenen Rhein 1767, Mittelrhein-Museum Koblenz
  • Ein Lachs, Heinrich Lihl, Werkstatt um 1750, bez. „disen Lachs haben Ihro durchl. Herr Margraff von Baden-Baden in dem Mürgener laxfang gestochen..“, Dauerleihgabe der Sparkasse Rastatt-Durlach, Stadtarchiv Rastatt
  • Wilhelm Camphausen (1818-185), Blüchers Rheinübergang bei Kaub im Januar 1814, Mittelrhein-Museum Koblenz, Willy Horsch, Wikimedia Commons
  • Louis Bleuler, Blick auf die Loreley und auf den Lachsfang

 

Links:

Der unsichtbare Fluss unterhalb des Rheins, SWR

https://www.youtube.com/watch?v=7n2bqd-t2E0

Großbrand von Schweizerhalle

 https://de.wikipedia.org/wiki/Grossbrand_von_Schweizerhalle

Wie lange braucht das Rheinwasser durch den Bodensee?

Willi Weishaupt 

          © Baden-GEO-Touren

 

 

Kriegsende in Baden-Baden 1945

Frontgebiet Baden Baden 280

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neu-Eberstein

Burg Eberstein war vom 13. bis zum 14. Jahrhundert Stammsitz der Herren von Eberstein. Im 14. Jahrhundert wird die Burg von Graf Eberhard von Württemberg belagert. Seit 20 Jahren führt der Wolf von Eberstein Krieg gegen die Württemberger.

Diese Taten ruinieren letztendlich ihn und sein Geschlecht.

Neu-Eberstein 1 A

Neu-Eberstein 3 B

 

 


Neu-Eberstein 6 A

 

 

 

Neu-Eberstein 5 B

 Neu-Eberstein 4 B

 

 

Yburg

Yburg 1 A

Die Yburg dominiert als südwestlichste der badischen Burgen das Rheintal.

Erbaut wurde sie wahrscheinlich im 12. Jahrhundert, auf einem 515 m hohen Porphyrkegel vulkanischen Ursprungs. Der Name leitet sich vom mittelhochdeutschen iwe für Eibe ab.

Urkundlich erwähnt wird sie 1245, als sie sich bereits im Besitz der Markgrafen von Baden befindet.

Die Yburg wurde mehrmals zerstört.

Im 14. Jahrhundert durch den Bischof von Speyer, 1525 in den Bauernkriegen und im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 durch die Franzosen.
Restaurierungsmaßnahmen gegen Ende des 19. und Anfang des 20.Jahrhunderts bezogen sich hauptsächlich auf die umfassenden Burgmauern.

Yburg 32 Panorama 700

 Panorama auf der Yburg

Yburg 3 A

 Hier könnten Sie sitzen!

Das Alte Schloss Hohenbaden war der Stammsitz der Markgrafen von Baden und damit Namensgeber des Landes Baden.
Gründer der Dynastie war Hermann I. (1052 – 1074).
Sein Sohn Hermann II. Markgraf von Limburg nannte sich 1112 erstmals Markgraf von Baden und errichtete auf der Südwestkuppe des Battert die Oberburg.

 

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Bernhard I. von Baden veranlasste am Ende des 14. Jahrhunderts den Bau der gotischen Unterburg, einem noch heute eindrucksvollen Ensemble von Zimmern und Gewölbesälen.

1479 verlegten die Markgrafen ihren Sitz in das Neue Schloss über dem Florentinerberg.

Hohenbaden 2 B

Hohenbaden 3 B

Windharfe B

  Hohenbaden 4 A

 

Heute befindet sich im ehemaligen Rittersaal eine von R. Oppermann konzipierte Windharfe.

 

 

 

Hohenbaden Risszeichnung 700

Quelle: Emil Lacroix, Peter Hirschfeld und Heinrich Niester: Die Kunstdenkmäler der Stadt Baden-Baden,
Verlag C.F.Müller, Karlsruhe, 1942

 

Burg Alt-Eberstein

Burg Eberstein (Alt-Eberstein) ist eine Höhenburg der Grafen von Eberstein.

Dieses schwäbische Adelsgeschlecht residierte vom 11. bis ins 13.Jahrhundert in der Burg und konnte ihr Herrschaftsgebiet bis zur Schauenburg bei Oberkirch ausweiten.

Im 12. Jahrhundert erhielten sie vom Bistum Speyer einen ausgedehnten Besitz im Murgtal und stifteten daraufhin die Klöster Herrenalb (1148) und Frauenalb (1190).

Um 1200 hatten sie mehr Einfluss als die Markgrafen von Baden.

Noch im 13. Jahrhundert gründeten sie mehrere Städte, z.B. Gernsbach und Bretten.

Jedoch schwanden Macht und Besitz dahin und 1283 verkauften die Ebersteiner die Burg an den Markgrafen von Baden und verlegten ihre Residenz nach Burg Neu-Eberstein, dem heutigen Schloss Eberstein.

Seit dem 15. Jahrhundert war die Burg unbewohnt und zerfiel, bis im 19. Jahrhundert das romantische Interesse an den Burgen wiedererwachte.

 

Alt-Eberstein A

 Alt-Eberstein 2 B

 

Alt-Eberstein 2 300 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Restaurant auf Burg Eberstein

Burgen der Markgrafschaft Baden

Hohenbaden Risszeichnung 700
Burg Hohenbaden

Schloss Seelach

Schloss Seelach 2 240

wurde in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts von Graf und Gräfin Chreptowitsch in Lichtental (Ortsteil von Baden-Baden) auf der Seelach erbaut.

 

 

 

 

Residenzschloss Rastatt

Schloss Rastatt 600Das Schloss Rastatt ist die älteste Barockresidenz am Oberrhein. Bauherr war Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655-1707).

Kirchen in Baden-Baden

Stiftskirche

Stiftskirche 1024Die Stiftskirche ist eine im romanischen Stil erbaute Basilika und wurde auf den Fundamenten einer noch älteren Kirche errichtet. Im wuchtigen quadratischen Turmsockel finden wir noch romanisches Mauerwerk. Ihre erste Umgestaltung in eine spätgotische Kirche erfolgte im 15. Jahrhundert. Der heutige Turm stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Die Kirche ist die Grablege der Markgrafen von Baden und den Aposteln Peter und Paul geweiht.

Schloss Favorite

 

P1010577Zum Themenkreis Badische Burgen und Schlösser fahren wir heute Richtung Rastatt und besuchen Schloss Favorite.

 

Abteikirche Schwarzach
 
Pfeiler R

 

 

 Das Kloster Schwarzach war ursprünglich ein Nonnenkloster und wird Anfang des 9.Jahrhunderts zum ersten Mal unter dem Namen „Monasterium Suarzaha“ urkundlich erwähnt.

Zu dieser Zeit gehörte es schon zu den vom Wanderprediger Pirmin zusammengefassten, bzw. neu gegründeten oberrheinischen Benediktinerklöstern.

Das Münster in Schwarzach ist der einzige Backsteingroßbau der Romanik am  Oberrhein.

 

Aussenansicht


Ab 960 besaß die Abtei bereits weitläufige Güter im Elsass. Eine Generation später kann an der Römerstraße, in Höhe der Rheinfähre, ein Markt mit Münzrecht nachgewiesen werden. 

Die Blütezeit des Klosters erlosch, als das Lehen von Straßburg nach Speyer übertragen wurde und gedieh und wuchs erst wieder in Folge der cluniazensischen Klosterreform.

Der Kirchenbau, den wir heute sehen, „ist völlig von den Baugewohnheiten der durch die(se) Reform der zusammengefassten Klöster bestimmt. ... Noch nach mehr als 200 Jahren ist hier das in Burgund, für den 2. Bau von Cluny, geschaffene Grundrißschema verbindlich geworden.“ 

 

Cluny A                        Modell

 

Die zweite wichtige Bauphase mit Errichtung des Konvents und Kreuzgangs, wird auf Mitte des 13.Jahrhunderts datiert.

Die Fertigstellung der Kirche erfolgte erst 1302 mit der Altarweihe.

 Im 17. Jahrhundert wurden sämtliche Konvent- und Wirtschaftsgebäude neu errichtet.

Im 18. Jahrhundert veränderte der Baumeister Peter Thumb die Anlage nach dem barocken Stil seiner Zeit.

Im Zuge der Säkularisierung wurden die meisten der Barockbauten wieder abgerissen. Das Münster wird Pfarrkirche der Gemeinde.

Unglückliche Restaurierungsversuche im 19.Jahrhundert wurden durch die grundlegenden Arbeiten von Prof. Arnold Tschira behoben.

Durch den fast vollständigen Neubau der Seitenschiffe, sowie der Erneuerung der mittelalterlichen Farbgebung, hat die Kirche viel von ihrer ursprünglichen Ausdruckskraft zurückerhalten.


Tag mit Mauer                   


Wie alle damaligen Bauten besteht das Quaderwerk der Kirche aus rotem Sandstein. Die dazwischenliegenden Mauern bestehen jedoch aus relativ großen Backsteinformaten.

 

Backsteinbogen

 

Die Kenntnis der Backsteintechnik gelangte Mitte des 12. Jahrhunderts von Oberitalien aus nach Deutschland. Zuerst wurden die flachen Grünlinge noch direkt aus dem Lehm herausgeschnitten, doch bald entwickelte man Holzkästen, in die man den Lehm strich. Mit profilierten Hölzern variierte man Form und Struktur der Quadersteine. 

Das "Schwarzacher Knöpfchen" ist die älteste datierbare Glasmalerei am Oberrhein, um 1000, Fundort Nordquerhaus Kirche.

 

 Schwarzacher Köpfle


Literatur

Abteikirche Schwarzach, Grosse Baudenkmäler Heft 237, Deutscher Kunstverlag München Berlin 1973
Institut für Baugeschichte, Karlsruhe
Gottfried Kiesow, Wege zur Backsteingotik, MONUMENTE Publikationen, S.10, ebd.

 

Bildnachweis

Baden-GEO-Touren
Abteikirche Schwarzach
Badisches Landesmuseum Karlsruhe

 

Willi Andreas Weishaupt 2014
© Baden-GEO-Touren
 

Schwarzacher...
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Baudenkmäler der Stadt Baden-Baden

Kloster Maulbronn

 

Maulbronn EingangIm Nordwesten des Landes liegt zwischen waldigen Hügeln und kleinen stillen Seen das große Zisterzienserkloster Maulbronn.

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitläufig, fest und wohl erhalten stehen die schönen alten Bauten und wären ein verlockender Wohnsitz, denn sie sind prächtig, von innen und außen, und sie sind in den Jahrhunderten mit ihrer ruhig schönen, grünen Umgebung edel und innig zusammengewachsen. 

Wer das Kloster besuchen will, tritt durch ein malerisches, die hohe Mauer öffnendes Tor auf einen weiten und stillen Platz.

Ein Brunnen läuft dort, und es stehen alte ernste Bäume da und zu beiden Seiten alte steinerne und feste Häuser und im Hintergrunde die Stirnseite der Hauptkirche mit einer spätromanischen Vorhalle, Paradies genannt, von einer graziösen, entzückenden Schönheit ohnegleichen.

Auf dem mächtigen Dach der Kirche reitet ein nadelspitzes, humoristisches Türmchen, von dem man nicht begreift, wie es eine Glocke tragen soll.

Der unversehrte Kreuzgang, selber ein schönes Werk, enthält als Kleinod eine köstliche Brunnenkapelle; das Herrenrefektorium mit kräftig edlem Kreuzgewölbe, weiter Oratorium, Parlatorium, Laienrefektorium, Abtwohnung und zwei Kirchen schließen sich massig aneinander. Malerische Mauern, Erker, Tore, Gärtchen, eine Mühle, Wohnhäuser umkränzen behaglich und heiter die wuchtigen alten Bauwerke. [1]

 

So beschreibt Hermann Hesse in seiner Erzählung „Unterm Rad“ das Kloster Maulbronn.

Er flüchtete 1892 nach einem Jahr. Nicht nur Hesse litt unter den strengen Regeln, die zu seiner Zeit bereits (seit der Säkularisation) gelockert waren.

Johannes Kepler, Hölderlin und Kerner,  „badische Revolutionäre“ Hermann Kurz und Georg Herwegh, sie und viele andere waren in Maulbronn.

Klosterschulen waren in der damaligen Zeit für mittellose, d.h. nicht adlige oder städtische reiche Kaufmannssöhne, die einzige Möglichkeit eine gute Ausbildung zu erhalten und die Klosterschule bot, mit der Aussicht eines späteren Theologiestudiums, diese Chance.

Besuchen wir das Kloster heute, so scheint es uns dank Hesses Beschreibung vertraut, wenig hat sich in den letzten 100 Jahren verändert, auch im Gesamtbild in den Jahrhunderten seit der Gründung im 12. Jahrhundert, so dass diese am besten erhaltene Klosteranlage nördlich der Alpen uns heute zu einem Spaziergang durch die Architekturgeschichte von der Romanik bis zur Hochgotik einlädt.

Wir betreten das Kloster durch den im 15. Jahrhundert errichteten und im 18. Jahrhundert stark veränderten Torturm.
Rechts und links davon befinden sich Pförtner-, Wach- und Gewerbebauten (Wagnerei und Schmiede).

Wir erreichen den vorderen Klosterhof. Linkerhand liegt die Mühle, die wir später besuchen wollen.

Im Mittelalter verlief in Höhe des Gesindehauses und des Kameralamts (ein Vorläufer des heutigen Finanzamts) eine Wehrmauer.

Dominiert wird das heutige Hofensemble durch den rechts gelegenen Fruchtkasten, dem größten Bau der Anlage und dem wichtigsten Speicher des Klosters.

Auf dem gleichen Weg, den die mittelalterlichen Konversen (Laienbrüder) nahmen, erreichen wir die naheliegende Kirche und deren Vorhalle, die uns zum Paradies führt.

Dies ist wohl einer der schönsten Räume, der uns aus der Frühgotik erhalten geblieben ist. Die Eingangstüren, aus Schwarzwälder Tannenholz, sind die ältesten Türen Deutschlands. Sie waren einst mit Tierhäuten bespannt und rot bemalt.

 

Wir betreten die Kirche.

Die dreischiffige Pfeilerbasilika wirkt beeindruckend lang, da sie zwei Kirchen, nämlich die Laien- und die Mönchs-Kirche beherbergt.

Die ehemals flache Holzbalkendecke wurde schon im 14. Jahrhundert beim Anbau der angrenzenden Stifterkapellen durch ein gotisches Netzgewölbe ersetzt.

Im Chor das berühmte Steinkruzifix, das Conrad von Sinzheim erschaffen hat.

Im nördlich an die Kirche stoßende Kreuzgang und im (Herren-) Refektorium finden wir die Künste des burgundischen Baumeisters wieder.

Refektorium des Klosters Maulbronn A

[2]

Im Ostflügel betreten wir den Kapitelsaal. Hier trafen sich die Mönche täglich zur Lesung der Ordensregeln. Durch den östlichen Ern (fränkisch für Flur) gelangen wir über den Nordflügel des Kreuzgangs zum Brunnenhaus mit dem berühmten dreischaligen Brunnen. Sein Wasser stammt aus Quellen, die uns zum Mühlenhaus zurückführen.

maulbronn Paradies

Die Zisterzienser waren Meister der Wasserwirtschaft.

Sie legten in Maulbronn über mehrere Geländestufen einen Verbund von etwa zwanzig Seen und Teichen an.

Zur Entwässerung des Feuchtgebietes schufen sie zunächst östlich des Klosters ein weit verzweigtes Grabensystem, mit dem sie das Oberflächenwasser im Graubrunnengebiet und Roten Hain der Salzach zuführten.

Im Tiefen See stauten sie die Salzach durch einen hohen Damm zu einem Wasserreservoir und Fischgewässer auf. Durch ein Ablaufsystem konnte das Wasser im Tiefen See reguliert und der Wasserbedarf zum Antrieb der Mühle gesteuert werden. Den Wasserlauf der Salzach fassten die Zisterzienser innerhalb der Klostermauern als Kanal, der Abwässer und Abfälle aufnehmen konnte und das Kloster bis heute durchfließt. [3]

Maulbronn war nicht nur ein Kloster, sondern eine autarke „Insel“ im Ozean der stürmischen Jahrhunderte.

Das Kloster ist seit 1993 als UNESCO-Weltkulturdenkmal in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen und beherbergt heute drei Museen.


[1] Hermann Hesse, Unterm Rad, suhrkamp, 1972, Drittes Kapitel
[2] Brockhaus’ Konversations-Lexikon, Jubiläums-Ausgabe, Leipzig, 1902
[3] Kloster Maulbronn, Carla Mueller und Karin Stober, 2013 Deutscher Kunstverlag Berlin

 

Willi Andreas Weishaupt 2014

 

Kloster Lichtenthal in alten Ansichten

Irmengard von Baden

 

Kloster Lichtenthal Fürstenkapelle A
gründete im 13. Jahrhundert
das Kloster Lichtenthal

 

Um 1200 wurde Irmengard von Baden geboren. Sie entstammte den beiden mächtigsten Geschlechtern des deutschen Mittelalters, Welfen und Staufer. Sie war die Tochter des Welfen Heinrichs I., ein Sohn Heinrich des Löwen und Agnes, die Erbtochter des  Staufers Konrad, Pfalzgraf bei Rhein.

 

 1210 verlobte sich die junge Pfalzgräfin mit Markgraf Hermann V. von Baden und heirate ihn 1219.

Im frühen Mittelalter lebten viele Klöster im Konflikt zwischen geistlichem Streben gemäß der Klosterlehre und dem weltlichem Anspruch des Adels.
Deshalb wurde der Ruf nach Reformen des monastischen Lebens immer lauter.

Aus dieser Sehnsucht heraus, verließen 1098 Mönche der Abtei Mosleme in Frankreich ihr Kloster, um in der Gegend von Cîteaux (lat. Cistercium) nach der alten Regula Benedicti, ein einfaches, von der Hände Arbeit bestimmtes Leben zu führen. Als 1113 der Abt Bernhard von Clairvaux nach Cîteaux kam, der durch seine charismatische Art viele Anhänger und Freunde auch im weltlichen und politischen Leben hatte, begann für die Cistercienser ihre Blütezeit in Europa, später oft das „bernhardinische Zeitalter“ genannt.

Das erste deutsche Cistercienserkloster wurde 1123 in Klamp, dem heutigen Kreis Wesel zugehörig, gegründet.

Heinrichs zweite Frau Agnes von Landsberg gründete zwischen den Jahren 1225 und 1233 das Cistercienserinnenkloster Wienhausen bei Celle.

Somit führte Irmengard von Baden einerseits die Familientradition fort, als sie 1245 die Cistercienserinnen-Abtei Lichtenthal gründet, war doch das Kloster für Frauen des Mittelalters der einzig mögliche Raum, geistliche und vereinzelt auch weltliche Erziehung zu erfahren und dies dort zur Entfaltung zu bringen und andererseits suchte die Markgräfin nach dem Tod ihres Ehemanns 1242 auch nach einem Ort , der als Grablege der Familie dienen konnte.

Doch vielen männlichen Geistlichen, vor allem solchen, die auch weltliche Macht erstrebten oder innehatten, waren diese Frauenkloster suspekt und so wurde Ende des 13. Jahrhunderts die Zahl der Frauenklöster „eingefroren“ und Neugründungen nicht mehr erlaubt.

Heilige

Links: Gerungus, Uta von Schauenburgs Sohn, erster Abt des Klosters Allerheiligen, Mitte: Helena, Mutter des röm. Kaisers Konstantin, Rechts: Uta von Schauenburg, Stifterin von Allerheiligen

 

Alle drei Sandsteinfiguren stammen aus dem aufgehobenen Kloster Allerheiligen.

 Irmengard selbst hatte bei der Gründung des Klosters Lichtenthal anfangs viele Gegner, auch den Bischof von Straßburg, der alle Pläne der Markgräfin auf Gründung eines neuen, weiteren Klosters ablehnte.
Diese wusste sich zu wehren, leitete den Grenzfluss Oos einfach um und so gehörte das Kloster nunmehr, da rechts der Oos gelegen, zum Bistum Speyer.

 Nonnen aus dem Kloster Wald bei Meßkirch trafen ein, Irmengard kümmert sich um die päpstliche Anerkennung, die Innozenz IV. in einem Schutzbrief und einem Ordensprivileg auch bestätigte.

 Irmengards Söhne, Hermann und Rudolf stellten im März 1245 den Stiftungsbrief aus und übergaben damit ihrer Mutter „das Patronatsrecht der Kirchen in Ettlingen und Baden, ihren Zehnten in Iffezeim, die Dörfer Winden und Beuren mit allem Zubehör, zwei Höfe in Oos, einen in Eberstein und 12 Pfund Straßburger Münze von ihren Zinsen in Selz“.

1248 wird Frau Trudine zur ersten Äbtissin bestellt und das Kloster Lichtenthal wird in den Cistercienserorden aufgenommen.
Im gleichen Jahr überträgt Irmengard ihre Güter dem Kloster und lebt dort im Konvent.

Am 24. Februar 1260 stirbt Markgräfin Irmengard und wird im Altarraum der Kirche, neben ihrem Gemahl beigesetzt.

Quelle: 750 Jahre Kloster Lichtenthal, Festschrift zum Klosterjubiläum 1245-1995, ebd.

 

Willi Andreas Weishaupt 2014
© Baden-GEO-Touren

 

Selbstbilnis Adolphie Herpp 140  Arthur Grimm 140  Georg Groddeck 140 Paracelsus 140 

 Adolphine Herpp

 Arthur Grimm  Georg Groddeck  Paracelsus
  Heinrich Hertz 140 Sybilla Augusta 140 Caracalla 140   Philipp Melanchthon 140
  Heinrich Hertz
Franziska Sibylla Augusta
von Sachsen-Lauenburg
Caracalla   Philipp Melanchthon

 

Johann Schroth 140
Heilige 140  Drais.jpg 140  Emma Herwegh.jpg 140 
Johannes Schroth
Carl Julius Späth
Irmengard von Baden Karl von Drais Emma Herwegh

 

 Georg Herwegh 140 Eduard Fortunat Türkenlouis 140 Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen 140 TAB
Georg Herwegh Eduard Fortunat
Ludwig Wilhelm von
Baden
Hans Jakob Christoph
von Grimmelshausen
Thomas Anshelm

 

 

Georg Groddeck

Georg Groddeck 20013. Oktober 1866 † 11. Juni 1934
Georg Groddeck war Arzt, Schriftsteller und ein maßgeblicher  Wegbereiter der Psychosomatik.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Mark Twain

Gemälde von James Carroll Beckwith
 
30. November 1835 † 21. April 1910
war ein amerikanischer Schriftsteller.
 

1835 wurde er als Samuel Langhorne Clemens in Florida, Missouri geboren.

Nach dem Tod seines Vaters musste er im Alter von 12 Jahren die Schule abbrechen und begann eine Lehre als Schriftsetzer.
Mit 17 Jahren ging er nach New York. Mit 22 Jahren war er Lotse auf dem Mississippi, nahm am Sezessionskrieg auf Seiten der Konföderierten teil und suchte in den Bergen von Nevada nach Silber.
Er wurde Reporter, schrieb für Zeitungen und Reiseberichte für Verlage.
Ab 1863 nannte er sich in seinen literarischen Veröffentlichungen Mark Twain.
1878 reiste Mark Twain durch Deutschland, die Schweiz und Italien.
Er kam über Heidelberg nach Baden-Baden und in den Schwarzwald.
Er lobte die Bäder, liebte den Schwarzwald aber ließ fast kein gutes Haar an der Bäderstadt.
1880 schreibt er darüber ein Buch A Tramp Abroad, -  Bummel durch Europa.
1894 musste er mit seinem Verlag Konkurs anmelden.
Die in den nächsten Jahren folgenden Vortragsreisen unternahm er um seine Schulden abzutragen.
1910 starb Mark Twain in Redding (Connecticut).

 

Mark Twain über Baden-Baden:

„Ich glaube fest daran, dass ich meinen Rheumatismus in Baden-Baden gelassen habe. Er steht Baden-Baden gern zur Verfügung. Ich hätte gern etwas Ansteckendes zurückgelassen, aber das lag nicht in meiner Macht.“

„Es ist ein fades Städtchen, überall trifft man auf leeren Schein, kleinlichen Betrug und Aufgeblasenheit,
aber die Bäder sind gut.“

 

Mark Twain über den Schwarzwald:

Mark Twain 200

„Von Baden-Baden aus machten wir den üblichen Abstecher in den Schwarzwald. Die meiste Zeit über waren wir auf den Beinen. Man kann diese edlen Wälder ebensowenig beschreiben wie die Empfindung, die sie hervorrufen. Ein Zug dieser Empfindung ist jedoch ein Gefühl tiefer Zufriedenheit; ein anderer Zug ist eine heitere, jungenhafte Fröhlichkeit; und ein dritter und deutlich spürbarer Zug ist das Gefühl, daß die Alltagswelt weit entfernt und daß man von ihr und ihren Angelegenheiten vollkommen befreit sei.

Diese Wälder erstrecken sich ohne Unterbrechung über ein riesiges Gebiet; und überall sind sie sehr dicht, sehr still, sehr harzig und duftend. Die Baumstämme sind stark und geradegewachsen, und an vielen Stellen ist der Boden meilenweit unter einem dichten Moospolster von leuchtend-grüner Farbe verborgen, dessen Oberfläche keine welken oder rissigen Stellen aufweist und dessen makellose Sauberkeit keine herabfallendes Ästchen oder Blatt befleckt.

Das satte Dämmerlicht einer Kathedrale durchdringt die Säulengänge; die vereinzelten Sonnenflecke, die hier auf einen Stamm und dort auf einen Ast treffen, treten deshalb stark hervor, und wenn sie auf das Moos treffen, so scheint das beinahe zu brennen. Aber die sonderbarste und zauberhafteste Wirkung bringt das zerstreute Licht der tiefstehenden Nachmittagssonne hervor; da vermag kein einzelner Strahl in die Tiefe zu dringen, doch das zerstreute Licht nimmt von Moos und Laubwerk Farbe an und durchflutet den Wald wie ein schwacher, grüngetönter Dunst, das Bühnenfeuer des Feenreiches. Der Hauch des Geheimnisvollen und des Übernatürlichen, der zu allen Zeiten im Wald spukt, wird durch dieses unirdische Glühen noch verstärkt.“


Quellen:
Alle Zitate aus : Mark Twain, Bummel durch Europa, Aufbau Verlag    
[1] Mark Twain, Upton House, 1906, aus Mark Twain, Meine geheime Biographie, Aufbau Verlag, 2012

Kaiser Caracalla

 Caracalla_II_Fr.Bad.jpg
Caracalla, Friedrichsbad
Marcus Aurelius Antonius Bassianus
geb. am 4. April 188 zu Lyon, † 8. April 217 zu Edessa
war ein römischer Kaiser.
 

Caracalla nannten ihn viele Römer, weil er in Rom ein neues Kleidungsstück einführte und in Massen verschenkte, die Caracálla (ein vorn und hinten hoch geschlitzter Rock mit langen Ärmeln, evtl. mit Kapuze) der in Gallien getragen wurde. Seine Excellenz höchstpersöhnlich modifizierte dieses bewährte Kleidungsstück (im wesentlichen kürzte er den Rock).

Lucius Septimius Bassianus war der älteste Sohn des römischen Kaisers Septimius Severus und dessen syrischer Frau Julia Domnia.

Mit zehn Jahren erhob ihn sein Vater zum Cäsar, jetzt nannte er sich Marcus Aurelius Antonius Bassianus.

Sein Vater starb 211 auf einem Feldzug in Britannien auf dem ihn seine beiden Söhne Caracalla und Geta begleiteten.

Nachdem die Brüder aus England nach Rom zurückgekehrt waren, ließ  Caracalla seinen Bruder Geta in den Armen seiner Mutter ermorden.
An die 20.000 Anhänger seines Bruders Geta wurden getötet.

Caracalla war nun der gottgleiche Alleinherrscher, seine Vorbilder waren Achilles und Alexander der Große.

Caracalla brauchte viel Geld um seinen ausschweifenden Lebensstil und um seine Soldaten zu bezahlen.
Terror, Enteignung und Erpressung waren für ihn geeignete und beliebte Mittel, dies zu erreichen.

212 gab er allen freien Bewohnern des römischen Reiches das Bürgerrecht, in der Absicht, von ihnen dieselben Abgaben zu erhalten, welche die römischen Bürger zahlen mussten.

Später ließ er einen Doppeldenar mit vermindertem Silbergehalt prägen.

213 führte er in Rhätien einen unrühmlichen Krieg gegen die Alamannen.

214 griff er in Dacien (heutiges Rumänien, Gebiete von Bulgarien) die Daker an,  überließ die Provinz aber bald ihrem Schicksal.

215 zog er nach Alexandria. Hier ließ er die waffenfähige Jugend von seinen Soldaten niederhauen, weil er sich an den Alexandrinern wegen deren beißenden Spötteleien über ihn, rächen wollte.

216 überfiel er das Land der Parther (heutiger Iran und das Zweistromland).

Unter dem Vorwand, die Tochter des Partherkönigs heiraten zu wollen, kam ein Treffen zwischen dem König, dessen Vertrauten und Caracalla zustande.

Er ließ sie alle niedermachen, nur der Partherkönig entkam mit einigen wenigen.

Dann plünderte er das Land.

217 wollte er den Zug wiederholen, aber auf dem Weg nach Edessa wurde er von seinem Gardepräfekten ermordet.

In späterer Zeit war Caracalla vor allem durch die nach ihm benannte Therme bekannt. (1)

 

Caracalla war 213 in Aquae (dem späteren Baden-Baden), das fortan Aquae Aurelia hieß, auf einem Feldzug gen Norden.

 

Caracalla_Inschrift_bei_röm._Bad.jpg

Römische Funde, Tiefgarage beim Friedrichsbad

 

Wenn Sie heute entspannt im warmen Wasser der Caracalla Therme in Baden-Baden so vor sich hinträumen - seien Sie auf der Hut - vor allem, wenn ihre Verwandten dabei sein sollten.

Hab keine Angst vor Fremden, hab lieber Angst vor deiner Familie.

 

Willi Andreas Weishaupt 

© Baden-GEO-Touren

 

(1) Der Bäderkomplex der Caracalla-Thermen, gelegen am Aventin, dem südlichsten der Hügel Roms, wurde von Septimius Severus gebaut und von seinem Sohn Marcus Aurelius Antonius Bassianus, bekannt als Caracalla, AD 216  eingeweiht.

Er bedeckte eine Fläche von 337x328 m.

Der zentrale Bereich von 220x114 m. folgt den Vorstellungen der imperialen Periode:

 

Grundriss Caracallatherme

 

Die zentrale Achse reiht die Bäder: 1 calidarium, 2 tepidarium, 3 frigidarium und 4 natatio auf. Die anderen Räume: 5 apodyteria, 6 sphaeristeria und 7 laconica sind symmetrisch dazu angeordnet.

Gewaltige Zisternen, gegenüber der Eingangsseite, formten ein Stadion. 

Die Seitenfronten bildeten große Exedren (nischenartige Räume), die jeweils drei weitere Räume beinhalteten.

 

 Caracalla Therme

Frigidarium der Thermen des Caracalla zu Rom (Rekonstruktion von Viollet-le-Duc).

 

Nicht nur durch die Größe waren die Bäder spektakulär, sondern auch durch die Dekoration.

Die Wände und die Fußböden des zentralen Beriches bestanden aus einfarbigem Marmor, Mosaikfußboden in den übrigen Räumen, Die vielen Nischen boten Raum für  hunderte von Statuen. 

Anhand der Nischen im zentralen Bereich des Bades nimmt man an, dass dort über 100  Statuen standen.

Viele von ihnen wurde vor dem Bau gefertigt, aber ebenso viele wurden, vor allem die Kolossalstatuen, speziell für die Caracalla-Therme in Auftrag gegeben. So der Herkules oder Asclepius.

Herkules     Herkules Rückseite

Herkules Neapel Museo Archeologico Nationale

 

Der Farnesische Stier MAN

Der farnesische Stier

 

 Caracalla Therme Mänade Palermo

 Mänade Museum Palermo

Im 5.Jh. reihte Polemius Silvius die Bäder in die sieben Weltwunder ein, d.h. die Bäder waren zu dieser Zeit noch in Betrieb und überaus prächtig.

573 belagerten die Goten die Stadt, kappten und zerstörten die Wasserversorgung.

Ohne Wasser kein Bad. Die Bäder zerfielen.

Im 12. Jh. diente das Gelände als Plantage und Weinberg, teilweise als Friedhof und später als Steindepot für Kirchen und Paläste. 

Im 16. Jh. war der Komplex immer noch zugänglich und die meisten dekorativen Elemente in situ. 

 

Bartoli_Ruinen_Caracallatherme_II.jpg

Bartoli, Caracalla

 

Der systematische Diebstahl der Monumente begann 1545 als Alessandro Farnese (Papst Paul III.) per Dekret sich selbst und seiner Familie Ausgrabungen erlaubte, und den Farneses alle Rechte an den gefundenen Kunstgegenständen verlieh.

Literatur:
F.A. Brockhaus Enzyklopädie, Mannheim, 1987
Brockhaus’ Konversations-Lexikon, Jubiläums-Ausgabe, Leipzig, 1901

Johannes Schroth

 

Johann Schroth 180geb. 18. Dezember 1859 in Jöhlingen, † 23.11.1923 bei Offenburg

war Architekt, Baurat und um 1900 einer der wichtigsten Kirchenbaumeister im badischen Raum, begann ein Architekturstudium in Karlsruhe und Charlottenburg.

 

 

 

 

 

Karl Friedrich Ludwig Christian Freiherr Drais von Sauerbronn


geb. 29. April 1785 in Karlsruhe, † 10. Dezember 1851 ebenda

 war Baron, Forstmeister, Erfinder des Fahrrads und für viele ein schwarzes Schaf.

Emma Herwegh

 

EHgeb. 10. Mai 1817 in Berlin, † 24. März 1904 in Paris

war Literatin, Revolutionärin im badischen Bürgerkrieg 1848/49 und Frauenrechtlerin.

 

Emma war die aufmüpfige Tochter des wohlhabenden Kaufmanns und Hoflieferanten J.G. Siegmund und dessen Frau Henriette.

Wie alle jungen Frauen des Bildungsbürgertums spielte sie Klavier, liebte Liszt und malte.

Aber sie sprach auch mehrere Sprachen und konnte sehr gut schwimmen, reiten und schießen.

Sie liebte es, sich über die im Biedermeier bestehende Geschlechterrolle hinwegzusetzen.

 

 

Georg Herwegh

 

Georg Herwegh 300geb. 31. Mai 1817 bei Stuttgart, †  7. April 1875 in Baden-Baden
war Poet, Dichter, Salon-Revolutionär, Vordenker, Shakespeare-Übersetzer und ein Mensch, der selten lachte.

Georgs Vater Ludwig Herwegh war ein aus Baden eingewanderter Gastwirt.
Seine Mutter Rosina Märklin stammte aus einer schwäbischen Apothekerfamilie.
Die Ehe war nicht glücklich. Ludwig und Rosina stritten sich oft, heftig und rau.

 

 

Ludwig Wilhelm von Baden

Türkenlouis 240Geb. 8. April 1655 in Paris, † 4. Januar 1707 in Rastatt

war Markgraf von Baden-Baden, Bauherr des Rastatter Schlosses, ein erfolgreicher Feldherr und genialer Stratege, ein glückloser Politiker.

Thomas Anshelmus Badensis

Bernhard II. von Baden

 geb. 1428 in Baden-Baden, † 15. Juli 1458 in Moncalieri

Carl Julius Späth

geb. 12. April 1838 in Steinmauern, † 2. April 1919 in Steinmauern

war Weber und Uhrmacher, verschroben, genial, Erbauer einer einzigartigen astronomischen Uhr.

Carl war das erste Kind eines Flachs- und Hanfwebers.
Die Eltern kamen aus Ottenau, da wo die wilde Murg endet und fanden in Steinmauern (1) ihr neues Zuhause.

Als er sechs Jahre alt wurde, half er zum ersten Mal seinem Vater am Webstuhl. Von nun an war Weben seine tägliche Arbeit.
Außer am Sonntag. Da gingen (fast) alle in die neugebaute Kirche und danach trafen sich die Männer im „Schiff“ oder in den Flößer-Wirtschaften „Anker“ und „Sonne“.

Carl ging zur Schule, arbeitete am Webstuhl, suchte Gold im Rhein, verliebte sich, schnitt Gras für die eigenen Kaninchen und für die Ziege auf den besitzlosen Inseln des Rheins, fing Fische und Krebse und sammelte Weinbergschnecken für die Franzosen. (2)

Im Revolutionsjahr 1848 flogen Kanonenkugeln über das Dorf.
Er bestand seine Gesellenprüfung und lernte von seinem Vater nicht nur das Weben, sondern auch vieles über das Uhrmacherhandwerk.
Carls Vater hatte bereits einen „Zahnstuhl“, eine Drehbank, mit der er Zahnräder herstellen konnte.

Mit 21 Jahren wird Carl zum Militär einberufen. Er absolviert die Grundausbildung und dient als Bursche bei einem Major in Mannheim.
Nach dem Militärdienst, zurück in Steinmauern, verlässt er das Elternhaus, geht nach Plittersdorf, kehrt nach Steinmauern zurück, übernimmt nach dem Tod des Vaters dessen Werkstatt und heiratet seine Theresa.

Die Weber bekamen immer weniger Aufträge. Die Webmaschinen in den Fabriken machten ihnen Konkurrenz.

Carl baute seine erste Uhr. Eine Pendeluhr - von den Zahnrädern bis zur Mechanik des geschnitzten „Mittagshahns“, vom gemalten Uhrenschild bis zu den Zeigern – sein Werk.
Er reparierte Uhren, aber davon konnte die vierköpfige Familie nicht leben.

Er plante eine Uhr mit Uhr-, Schlag- und Spielwerk. In einem Jahr sollte sie fertig sein.
Was seine Dorfnachbarn nicht erwarteten - und viele ihm auch nicht wünschten - geschah. Carl baute und verkaufte diese Uhr.

Seine nächste Uhr sollte noch komplexer werden. Tagsüber schloss er sich in seine Werkstatt ein, nachts ging er zur Murg.

Deutschland wurde Kaiserreich. Carl vermaß den Planetenlauf und die Positionen der Fixsterne.

Keines seiner Kinder durfte in die Werkstatt, keinem brachte er ein Handwerk bei.  Sein ältester Sohn ging in die Schweiz. Theresa hatte inzwischen sieben Kinder geboren.

Carl verkauft seine neueste Uhr an den Berliner Hof, der Kaiser hat Carls Pläne für seine große astronomische Uhr, die der bauen will, in den höchsten Tönen gelobt und lässt ihm dafür 300 Mark zukommen.
Die finanzielle Situation der Familie verbessert sich, Familie Späth kauft Grundstücke für ihre Kinder.

Eine große astronomische Uhr, wie die in Straßburg will er bauen. (3)

Er schuf sich Feinde bei seinen seltenen Wirtshausbesuchen. Dort prahlte er, dass der Kaiser seine Uhren verstünde, aber nicht die Dörfler aus Steinmaurern.
Er bedrohte den Jungendfreund seiner Frau. Im Wirtshaus schrie er ihn an und drohte, ihn zu erschießen, falls er noch einmal einen Fuß über seine Schwelle setzen sollte.
Carl wurde krankhaft eifersüchtig und Theresa und ihre Kinder hatten darunter zu leiden.
Er begann Briefe zu schreiben. Briefe, die ihm schaden sollten.

Ein seriöses Angebot zukünftig in Mainz seine Uhren zu bauen lehnt er ab.
Er will in seinem Dorf bleiben.

Aber seine Frau Theresa verklagt er, „wegen Prostitution“, nach zwanzig Ehejahren.
Theresa wehrt sich, auch mit falschen Behauptungen und erreicht, dass ihr Mann entmündigt wird.
Carl wird aufgrund Theresas Aussagen verhaftet, landet im Heidelberger Gefängnis und wird erst mal mit einer doppelten Bromidlösung ruhiggestellt.
Er wird „....als Querulant. Streitsüchtig, aber nicht gefährlich“ eingestuft (4) und nach Illenau verlegt. (5)

An seine Theresa schreibt er, wie gut es ihm hier gehe. Theresa schildert ihm die Lage der Familie. Sie müssten alle betteln und auch noch die Kosten seiner Haft bezahlen.

Carl kommt nach Hause.

Von vielen Menschen seines Heimatdorfes wurde er nicht mit offenen Armen empfangen. Einige hatten sogar gegen seine Entlassung interveniert.
Carls Familie hatte viele Schulden, auch beim Metzger.
Der Pfarrer ließ ihn nicht in die Kirche.

Das Unglück seiner Feinde war sein Glück.

Das Haus des Metzgers wurde versteigert und der Pfarrer zwangsversetzt.

Im Mai 1898 vollendete Carl seine große astronomische Uhr. (6)

 

 

 

Die vielen Besucher, die diesen Tempel der Zeit sehen wollten und nach Steinmauern kamen, machten Meister Späth bekannt und wohlhabend.

Theresa und ihr Jugendfreund erlebten diese Zeit nicht mehr.
Carl selbst wurde 80 Jahre alt.

Seine Uhr, die sich heute im Stadtmuseum in Rastatt befindet ist schon vor langer Zeit stehengeblieben.
Es fehlt ein genialer Uhrmacher.

Willi Andreas Weishaupt 2015
© Baden-GEO-Touren

1)    In Steinmauern (= schützende Mauern gegen das Hochwasser) mündete die Murg in den Rhein. Das Flößerdorf war ein Waren-Umschlagplatz. Hier wurde das begehrte Holz des Schwarzwalds zu Flößen zusammengestellt und rheinabwärts nach Rotterdam transportiert.
Und auf den Flößen fuhren die Schwarzwälder mit ihren Träumen den Rhein hinunter. Nach Amerika.

(2)        Wilderei war verboten, die Wilderer wurden erschossen, oft grausam hingerichtet.
    Fischerei war streng reglementiert.
Es gab „Herrenfische“ (Lachs, Stör, Karpfen und Wels), die das „niedere Volk“ nicht essen durfte. Vom Fang der erlaubten Fische konnte die jeweilige Herrschaft  noch ein Drittel  bis zur Hälfte für sich einfordern.

(3)    Die astronomische Uhr im Straßburger Münster wird Carl gründlichst studieren. 1842 hatte sie Schwilgué wieder in Stand gesetzt und erweitert. Sie stellt u.a. Erd- und Mondbahn, die Bahnen der Planeten bis zum Saturn und die Präzession der Erde dar.

    Carls große astronomische Uhr sollte noch mehr Funktionen beinhalten. Den Sternenhimmel über Steinmauern wollte er an den Beobachtern vorbeiziehen lassen. Kalenderräder sollten die beweglichen Feiertage der nächsten 4.000 Jahre anzeigen. Wie bei vielen Uhren dieser Zeit traten bewegte Figuren wie der „Mittagshahn“, der „Posaunenengel“ oder der Tod, auf.

(4)    Querulanten waren im 19.Jahrhundert per Gesetz geisteskrank.
Der Direktor der „Staatsirrenanstalt Zwiefalten“ schrieb in seinem 1889 erschienen „Leitfaden der Psychiatrie“:
    „...wer an Querulantenwahnsinn leidet, der prozessiert unter allen Umständen, wenn er irgend kann, er verfolgt sein verbrieftes Recht......mit Fanatismus... und zwar scheinbar, namentlich im Anfang, oft gar nicht in unvernünftiger Weise...Der Irre nimmt sich in fanatischer Weise des Rechts an....und er leidet an einem trotzigen Mangel für das wahrhaftige Gefühl des Unrechts, welches der Querulant anderen gegenüber begeht......
    Jeder richtige Querulant ist hochgradig lästig, fast jeder mehr oder weniger gefährlich. Die Unterbringung solcher Kranker in einer Anstalt ist deshalb in den meisten Fällen nicht zu umgehen.“

(5)    Die „Illenau“ (bei Achern) war eine seit 1842 existierende Heil- und Pflegeanstalt.

 

 

 

C.F.W. Roller („Die Irrenanstalt in all ihren Beziehungen“, 1831) war ihr Wegbereiter und erster Leiter. Das Projekt war getragen von den Ideen des 19. Jahrhunderts.
Konzipiert wie ein Barockschloss thronte in der Mitte das Haupt- und Verwaltungsgebäude, im rechten Flügel waren die Männer im linken die Frauen untergebracht.

Der damalige Leiter, Prof. Heinrich Schüle, förderte Carl.
Der reparierte die Uhren der Anstalt, bekam ab und zu Freigang (um Dokumente zu holen, oder nach Straßburg zu fahren) und konnte an seinen Plänen für seine große Uhr weiterarbeiten.

Diese Oase bestand fast 100 Jahre lang.
Im Winter 1940 wurden alle PatientInnen nach Schloss Grafeneck transportiert und dort ermordet (T4).

(6)    Eine zentrale Bandfeder und fünf Federhäuser trieben Carls mechanisches Universum an. Das zentrale Kalenderrad mit der Darstellung aller Zeiten dieser Welt, das Sonnenrad (1Umdrehung/24h), das Sternenrad mit den Tierkreiszeichen (1Umdrehung/Jahr), sein geniales Osterwerk, das u.a. die beweglichen Feiertage berechnete und die große Glaskugel, die den Nachthimmel mit den Wandel- und Fixsternen im Laufe des Jahres in nie gekannter Ausführung zeigte, koppelte er mit seinen animierten Figuren.

    Ein brüllender Löwe, ein fauchender Stier, ein flügelschlagender Adler und ein trompetender Engel symbolisierten die Apostel.
    Jeder Stundenzyklus begann mit dem Säugling und endete mit dem Greis.
    Jede Stunde krähte der Hahn. Bei jedem Viertelschlag kam der Tod.

Ohne die finanzielle Unterstützung seines Gönners Schwab, eines Uhrmachers aus Baden und ohne A. Gehrig aus Karlsruhe, der das komplexe Gehäuse herstellte, hätte Carl sein Projekt nicht realisieren können.

 

(7)    Beschreibung der astronomischen Uhr

„Ich lasse die Uhr selbst sprechen“.

 Stund’ Minute und Sekunde,
Gibt mein Zeigerlauf dir kund,
Stundenschluss und Teilung kündet,
Treulich dir mein eh’rner Mund.

Aus den Tagen werden Wochen,
Wachsen Monde, Jahre an,
Dass ihr Lauf dir lehrreich werde,
zeig ich stets dies alles an.

Alle Teile meines Werkes,
Sind gebaut zu grösster Zier,
Was des Meisters Hand vermochte,
Opfert’ Fleiss und Liebe mir!

Im lebendigen Bilde zeige,
Ich dir auch der Sterne Bahn,
Stell sie bei den Sternenbildern,
Nur an richt’ger Stelle an.

Dich an Gottes allmacht mahnend,
Zeig ich dir der Sterne Lauf,
Führ’ des Mondes gol’ne Scheibe,
Wechselnd, kreisend, ab und auf.

Ihn sogar zur Sichel formend,
Immer wechselnd gross und klein,
Sonn- und Mondes- Finsternisse,
Alles stell ich richtig ein.

Lass die Bilder der Planeten,
Kreisend ihre Bahnen geh’n,
Magst am Kleinen hier du lernen,
Deines Gottes Allmacht seh’n.

Den Kalender mit den Festen,
Stellt mein Werk für jedes Jahr,
Osterfest und alles andere,
Selbst für hunderte von Jahr!

Gold’ne Zahl und die Epakten,
Geb für jedes Jahr ich an,
Sonntagsbuchstab, Sonnenzirkel,
Römerzinszahl zeigt mein Plan.

Alles dieses rech’n ich selber,
Dir zulieb im Werke aus,
Wie des Meisters Hand mich lehrte,
Jeden Fehler schliess ich aus.

Ob gewöhnlich’s oder Schaltjahr,
zeig ich gleichfalls immer an,
Jahreszeit und Tierkreisstellung
Künde ich in Bilder an.

Jahreszahl und Jahrsregente,
Fehlen meiner Kunde nie,
Und in Bildern zeig’ noch vieles
Ich dir gerne spät und früh.

Einen Engel mit Posaune,
siehst du ganz rechts oben stehn,
Kannst ihn auch beim Stundenschlag
Die Posaune blasen sehn.

Auch ein Kapuziner läutet
Dreimal „Ave“ jeden Tag,
Und mittags vor 12 Uhr „warnend“
Kräht mein Hahn mit Flügelschlag.

Dreimal lässt den Ruf er hören,
Tönt sein schrilles „Kikeriki“,
Dann wieder beim Erscheinen Petri
„Zweimal“-er vergisst es nie!

In der mittleren Säulennische,
stell das Bild des „Herrn“ ich ein,
Auf des Himmels Wolken kommend,
Wird der „Herr“ einst Richter sein.

Wird der Wunden Male zeigen,
Hält entrollt des Lebens Buch,
Das zum ew’gen Heil dem Guten,
Und dem Bösen wird zum Fluch!

Mag auch dir dann wahres „Alpha“
Und „Omega“ er nur sein,
Dass auch du dich seiner Gnade
Der Erlösung magst erfreun!

Mittags kannst du nach dem Schlage,
Der Apostel Bilder seh’n,
Ehrfurchtsvoll das Haupt verneigend
Am Bild des „Herrn“ vorübergehn.

Oben, unter Daches Mitte,
Zeigt ein Bild die Jahreszeit,
Der Evangelisten Bilder
Stell dir ein Relief bereit.

Sankt Matthäus wird im Bilde,
Stets ein Engel beigesellt,
Und ein Löwe ist mit Flügeln,
Zu Sankt Markus Bild gestellt.

Die Menschwerdung Christi lesen,
Wir in Sankt Matthäi Schrift,
dass den „Herrn“ als reinsten Menschen,
Keines Makels Vorwurf trifft.
Als Symbol des Königtumes,
Gilt der Löwe nah und fern,
Und als ewigen König schildert
Uns Sankt Markus „Gott den Herrn“.

Einen Stier mit Flügeln hat man,
bei Sankt Lukas aufgestellt,
Und zu Sankt Johannes Bild ist,
Eines Adlers Bild gesellt.

Als ein Sinnbild grössten Opfers,
Galt der Stier im alten Bund,
Grössten Opfers ewigen Priester,
nennt den Herrn Sankt Lukas Mund.

Schärfsten Blick bei höchstem Fluge,
Gab der Schöpfer nur dem Aar,
Darum gibt man Sankt Johannen,
Ihn als Symbol immerdar.

Wie des Adlers scharfes Auge,
Bei der Schwingen höchstem Flug,
Zeigen auch Johanni Schriften,
Dass der Geist ihn höher trug.

Reinsten Menschen, Opfer, König,
Nennen Andre ihren „Herrn“,
Sankt Johannes nennt in Ehrfurcht,
„Gott“ ihn, aller Geister Herrn.

Zeigt mein Bild im Frühling oben
Tönt mittags des Kuckucks Ruf,
Sommers preist der Schlag der Wachtel,
Ihn, der einst das All erschuf.

Zeigt mein Bild den Herbst im Plane,
Flügelschwingend brüllt der Stier,
Zähnefletschend brüllt der Löwe,
Zeigt das Bild den Winter dir.

Ein Engel kommt zur Viertelstunde,
Mit dem Palmenzweige,
Beim Viertelschlag der Sensenmann,
Um schnell die Zeit zu zeigen.

Mit dem Helm das Haupt bedecket,
Einer Waage, Schwert und Schild,
Mit dem Schwert die Viertel schlagend
Zeig’ ich dir ein Engelbild.

Jedesmal zur Viertelglocke
Kommt ein Menschenalterbild,
Eine Sanduhr stellt ein Engel,
Wenn der Stunde Lauf erfüllt.
Sinn und Deutung all’ der Bilder
Zeigt die heilige Schrift dir an.
Nur lebendiger Gottesglaube
Steht dem wahren Christen an.

Weitere Deutung meiner Bilder
Überlass ich jedem gern!
Mag mein Anblick dich erfreuen
Und erbauen nah und fern.

    C.J. Späth, 1888


Bildnachweis:

Wikimedia Commons:
- Karl Julius Späth, Rastatter Heimatmuseum, Fotografie: Martin Dürrschnabel
- Astronomische Uhr, Stadtmuseum Rastatt
- Illenau Gesamtansicht Nach einer Lithografie von J. Vollweider und C. Kiefer      Lithografische Anstalt L. Geissendörfer Carlsruhe - Reproduktion von Florian Hofmeister.


    Literatur:

    Gottfried Zurbrügg, Eine Uhr für die Ewigkeit, Casimir Katz Verlag, 2006
    Ein wunderbares Buch über Meister Späth

Dr. J.L.A. Koch, Kurzgefaßter Leitfaden der Psychiatrie , Ravensburg, Verlag der Dorn’schen Buchhandlung, 1889.

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